Schreie und Tränen
Malaysia Airlines schmeißt Familien aus Hotel
Schon bisher war Malaysia Airlines nicht durch optimale Verständigung mit und Betreuung der Angehörigen jener Passagiere, die seit 8. März verschwunden sind, aufgefallen. Erst drangen kaum Informationen zu den Familien, dann wurden sie zwar im Pekinger Hotel "Lido" untergebracht, aber nicht von Kriseninterventionsteams oder Psychologen betreut, sondern sogar noch einer wahren Kamerameute ausgeliefert.
Betreuungszentren werden prompt geschlossen
Am Donnerstag hat Malaysia Airlines nun angekündigt, das Betreuungszentrum im "Lido" werde am Freitag geschlossen, andere Einrichtungen bis spätestens 7. Mai. Hunderte verzweifelte Familienangehörige hätten die Nachricht mit Wut und Trauer vernommen, berichtet CNN. "Wer wird unsere Familienmitglieder finden?", schrie demnach einer im Briefing-Raum des Hotels, andere seien vor der Polizei auf die Knie gesunken, die die Fluglinie vorab gerufen hatte, um für Ordnung zu sorgen.
"Statt in Hotels zu bleiben, wird den Familien von MH370 geraten, Informations-Updates zum Fortschritt der Suche und Untersuchungen und andere Unterstützung von Malaysia Airlines im Komfort ihres eigenen Zuhauses zu erhalten, mit der Unterstützung und der Betreuung durch ihre Familien und Freunde", so die Airline in einer Stellungnahme.
"Unterstützungszentren" und erste Zahlungen
Außerdem kündigte sie an, sie werde "Familienunterstützungszentren" in Peking - über 100 der 239 Personen an Bord waren Chinesen - und in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur einrichten. Welche Funktion diese Zentren erfüllen sollen, ist aber unklar.
Am Donnerstag gab die Fluglinie überdies bekannt, mit den Entschädigungszahlungen an die Angehörigen zu beginnen. Zwischen 108.000 und 126.000 Euro stehen Familienmitgliedern nach Flugzeugunglücken laut internationalem Abkommen zu, die Betroffenen können überdies auf eine höhere Summe klagen. Wie viel die Familien im aktuellen Fall vorab erhalten werden, ist unklar.
Australien hält an Suche im Indischen Ozean fest
Der Koordinator der internationalen Suche nach dem verschollenen Flugzeug sagte indes am Freitag, er halte den Indischen Ozean weiterhin für das richtige Suchgebiet. Obwohl dort bisher keine Hinweise auf die Maschine gefunden wurden und eine australische Firma jüngst behauptete, das Wrack im Golf von Bengalen geortet zu haben (siehe Infobox), soll die Suchaktion wie gehabt fortgesetzt werden.
"Ich bin überzeugt, dass das Gebiet im Südlichen Ozean das richtige Suchgebiet ist", sagte Angus Houston in Kuala Lumpur. Drei Marineschiffe aus Bangladesch seien im Golf von Bengalen unterwegs. "Bis jetzt haben sie nichts gefunden", sagte Angus. Der malaysische Verkehrsminister Hishamuddin Hussein schloss sich der Sichtweise an. Die nun begonnene Unterwassersuche mit der entsprechenden Ausrüstung könne bis zu zwölf Monate dauern, sagte Houston.
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