Bereits zwei Tote
Ostukraine: Armee greift Separatisten an
Die moskautreuen Aktivisten hätten Granatwerfer und Panzerabwehrgeschütze eingesetzt und zwei Hubschrauberpiloten getötet, erklärten die Behörden in Kiew. Zudem sei auf einen Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 geschossen worden. Dabei habe es jedoch keine Verletzten gegeben. Das Vorgehen beweise, dass es sich bei den moskautreuen Kräften nicht um friedliche Demonstranten handle, sondern um gut ausgerüstete Terrorgruppen, betonten die ukrainischen Behörden. Inzwischen wurden bereits vier mutmaßliche Schützen festgenommen.
Regierung: Bürger sollen Häuser nicht verlassen
Awakow forderte alle Bürger in dem Gebiet des "Antiterroreinsatzes" auf, ihre Häuser nicht zu verlassen und von den Fenstern fernzubleiben. Moskauer Agenturen zitierten Separatisten, wonach Slawjansk von Regierungstruppen mit schwerem Militärgerät umstellt sei. Ukrainische Soldaten sollen außerdem das Dorf Bilbassiwka besetzt haben.
Am Freitagmorgen waren in Slawjansk Gewehrschüsse und heftige Explosionen zu hören, wie Korrespondenten und prorussische Aufständische berichteten. Südlich der Stadt übernahmen nach Angaben eines Reporters ukrainische Soldaten mit acht gepanzerten Fahrzeugen die Kontrolle über eine Straßensperre der Milizen. Minister Awakow berichtete von neun übernommenen Kontrollposten. Die Operation laufe wie geplant, behauptete er.
Prorussische Kräfte setzen sich zur Wehr
Prorussische Kräfte setzten dagegen in Slawjansk eine Straßensperre und nördlich der Stadt Reifen in Brand. Zudem wurde von Schusswechseln berichtet, mehrere Aktivisten sollen ums Leben gekommen sein. Die Rebellen sprachen am Freitag von einer Großoffensive zur Rückeroberung ihrer Hochburg Slawjansk.
Slawjansk wird seit mehr als zwei Wochen von Gegnern der Übergangsregierung in Kiew kontrolliert. Seit einer Woche werden mehrere OSZE-Militärbeobachter festgehalten. Rebellenführer Wjatscheslaw Ponomarjow erklärte gegenüber der "Bild"-Zeitung, dass sie am Freitag "an einen sicheren Ort außerhalb der Kampfzone" gebracht wurden. Die ukrainische Führung forderte am Freitag erneut deren Freilassung.
Kreml: Kiew zerstört Hoffnung auf friedliche Regelung
Der russische Präsident Wladimir Putin warf der ukrainischen Regierung am Freitag vor, mit dem jüngsten Einsatz gegen moskautreue Aktivisten die "letzte Hoffnung" auf die Umsetzung des Genfer Abkommens zu zerstören. Die Führung in Kiew habe in den Kampfmodus geschaltet und greife friedliche Siedlungen an, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Agenturen. Er sprach von einer "Strafaktion" der Regierungstruppen. Putin habe gewarnt, eine solche Operation sei ein Verbrechen. "Leider bestärkt die Entwicklung seine Einschätzung völlig", sagte Peskow.
Die Führung in Kiew befürchtet unterdessen, dass Putin seine Truppen in die Ost-und Südukraine einmarschieren lassen könnte - unter dem Vorwand, russische Bürger oder Interessen dort zu schützen. Ein Mandat für diesen Fall hatte sich der Präsident bereits vom Parlament geben lassen. Allerdings hatte er betont, er hoffe, von dieser Vollmacht nicht Gebrauch machen zu müssen.
Russland bittet wegen Gefechten die OSZE um Hilfe
Die russische Regierung wandte sich wegen der Gefechte auch an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Die OSZE solle Maßnahmen ergreifen, "um diesen Vergeltungsangriff zu beenden", sagte der russische OSZE-Botschafter Andrej Kelin der Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Russland wandte sich seinen Angaben zufolge an OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier und den Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter, der derzeit Vorsitzender der OSZE ist.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Burkhalter forderten unterdessen die bedingungslose Freilassung des OSZE-Teams, das seit einer Woche im Osten der Ukraine festgehalten wird. Dies verlautete nach einem Treffen der beiden am Freitag in Bern. In dem Gespräch ging es nach Teilnehmerangaben auch um Möglichkeiten, die Arbeit der OSZE-Mission in der Ukraine zu stärken. Details wurden keine bekannt.
Zahlreichen Städte werden von Separatisten kontrolliert
Es ist das erste Mal, dass die Regierung in Kiew mit einem Einsatz in diesem Umfang gegen die Separatisten im Osten der Ukraine vorgeht. In der Region haben Rebellen in zahlreichen Städten in den vergangenen Wochen nach und nach öffentliche Gebäude unter ihre Kontrolle gebracht. In der Millionenmetropole Donezk haben sie eine Volksrepublik ausgerufen und für den 11. Mai ein Referendum für eine Abspaltung angesetzt - ähnlich wie jenes, das vor der Eingliederung der Halbinsel Krim in die Russische Föderation abgehalten wurde.
Die Vorgänge in der Ukraine haben zur größten Konfrontation zwischen dem Westen und Russland seit Ende des Kalten Krieges geführt. Der Westen wirft der Regierung in Moskau vor, die Separatisten zu unterstützen. Der Kreml weist die Vorwürfe zurück.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.