Neuauszählung läuft

Wahl im Kosovo: Zehntausende Stimmen manipuliert

Außenpolitik
27.01.2026 11:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Einen Monat nach der Parlamentswahl im Kosovo werden noch immer Stimmen ausgezählt. Denn wegen massiver Manipulationsvorwürfe werden alle Wahllokale neu überprüft. Mehr als 100 Wahlhelfer wurden jüngst festgenommen.

Die Vorwürfe sind weitreichend: Es geht um Wahlmanipulationen, Bestechungen und Einschüchterungen. In der Stadt Prizren wurde gegen 23 Personen eine zunächst einmonatige Untersuchungshaft verhängt. Unter den dort Festgenommenen sollen sich laut Berichten auch Verwandte von Wahlkandidaten befinden.

Zehntausende Stimmzettel falsch zugeordnet
In der Stadt mit mehr als 80.000 Einwohnern soll am Wahltag vergangenen Dezember Missbrauch mit mehreren Zehntausend Stimmzetteln getrieben worden sein. Laut Medienberichten ging es dabei vorwiegend darum, dass abgegebene Stimmen falschen Kandidaten zugeordnet wurden.

Die Neuauszählung der Stimmen soll am Samstag abgeschlossen sein, sagte der Sprecher der Zentralen Wahlkommission (KQZ), Valmir Elezi, am Dienstag. Bisher wurden 75 Prozent aller Wahllokale noch einmal überprüft. Wann das offizielle Endergebnis des Urnengangs verlautbart wird, konnte Elezi nicht sagen. Dies hänge davon ab, wie viele Einsprüche und Beschwerden es gebe.

Linkspopulisten dürften vorn bleiben
Am Sieg der seit 2021 regierenden linkspopulistischen Partei Vetevendosja (Selbstbestimmung) von Premier Albin Kurti dürfte die großangelegte Neuauszählung nichts ändern. Die Partei war bei der vorgezogenen Wahl auf etwa 49 Prozent der Stimmen gekommen – um sieben Prozentpunkte mehr als beim vorherigen Urnengang im Februar 2025. Dabei gewann Vetevendosja wieder, verlor aber die absolute Mehrheit. Da Kurti keinen Koalitionspartner fand, wurde im selben Jahr ein zweites Mal gewählt.

Auf das neue Parlament warten wichtige und dringliche Aufgaben. Ein Budget für 2026 muss verabschiedet werden, und im März soll die neue Volksvertretung ein neues Staatsoberhaupt wählen. Die fünfjährige Amtszeit der aktuellen Staatspräsidentin Vjosa Osmani läuft Anfang April ab.

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