In der Steiermark fehlen aktuell bereits 27 Allgemeinmediziner. Für viele Menschen in der Peripherie bedeutet das mangelnde Gesundheitsversorgung und lange Wege. Primärversorgungszentren als das neue Allheilmittel können helfen, ebenso wichtig bleibt aber die gezielte Stärkung der klassischen Landärzte, die höchstes Vertrauen genießen und wohnortnahe Versorgung sichern.
Der Befund schmerzt: 27 offene Kassenstellen in Allgemeinmedizin, verteilt über das gesamte Bundesland. Josef Harb von der Österreichischen Gesundheitskasse brachte es in einem Interview mit der „Krone“ nüchtern auf den Punkt: „Mit jedem Kilometer weiter weg von Graz wird die Besetzung einer offenen Kassenstelle schwieriger.“ Sprich: Die Versorgungslücken in der Peripherie klaffen besonders weit auseinander.
Die politische Antwort auf das immer größer werdende Problem lautet seit geraumer Zeit: Primärversorgungszentrum. Wie der sperrige Name schon sagt, handelt es sich dabei um größere, zentralisierte Anlaufstellen, häufig in Bezirkshauptstädten, die Patienten effizient behandeln.
Die Idee ist richtig – doch sie löst nur einen Teil des Problems: Primärversogungszentren bündeln Ressourcen und entlasten Spitalsambulanzen, ersetzen aber keinen klassischen Landarzt, wie er etwa noch in Gamlitz, St. Barbara oder Weißenbach praktiziert.
Wer jetzt fast ausschließlich in neue Zentren investiert, riskiert, dass die bereits ohnehin dünn besetzte Basis weiter ausgedünnt wird. Denn die medizinische Versorgung in der Fläche lebt vor allem von Menschen, die vor Ort sind, Patienten kennen und in kleinen Gemeinden die erste Anlaufstelle darstellen.
Reformvorschläge zur Stärkung des Landarztberufs gibt es übrigens genug: So meinte etwa Alexander Moussa, Hausarzt im oststeirischen Hartberg, dass „das Fördersystem für Lehrpraxen verbessert, die Zusammenarbeit mit anderen Kollegen, auch Wahlärzten, weiter dereguliert werden muss.“ Zudem wünscht man sich „Unterstützung für Gesundheitsberufe und Infrastruktur – analog zu jener von Primärversorgungseinheiten.“ Hoffentlich kann man den Fachmann bis nach Graz hören.
Kommen Sie gut durch diesen Dienstag!
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