Steirische Kehrtwende

Vorschulklassen kehren zurück: „Wunsch der Eltern“

Steiermark
07.01.2026 13:56

Als einziges Bundesland gibt es in der Steiermark derzeit keine Vorschulklassen. Nun kehrt das System aber wieder zurück – auf Wunsch auch vieler Eltern, wie betont wird. 20 Schulstandorte könnten in einem ersten Schritt dabei sein.

Immer wieder war zuletzt zu lesen, dass die FPÖ in der steirischen Landesregierung den Ton angibt. Nun wird eine Forderung der ÖVP umgesetzt: Die Vorschulklassen kehren zurück. In anderen Bundesländern sind sie Standard, in der Steiermark hingegen sukzessiv verschwunden. 

Stattdessen wird derzeit flächendeckend auf inklusiven Unterricht gesetzt, das heißt, dass ein Teil der Schüler einer ersten Volksschulklasse nach dem Vorschul-Lehrplan, der andere Teil nach dem regulären Lehrplan unterrichtet wird. „Parallel ist das aber schwierig bis gar nicht zu erfüllen“, sagt FPÖ-Bildungslandesrat Stefan Hermann. So haben Vorschulkinder deutlich mehr Stunden für Bewegung und Spiel, dafür weniger für Deutsch – zeitgleich ist das für Lehrpersonen kaum umsetzen.

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Sprachliche und motorische Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit, emotionale Stabilität: Es kommen Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. 

Bildungslandesrat Stefan Hermann 

„Ein System des Scheiterns“
Die Folge: In der Steiermark werden nur 0,5 Prozent eines Jahrgangs nach dem Vorschul-Lehrplan unterrichtet. Im Österreich-Schnitt sind es elf Prozent, in Salzburg sogar mehr als 25 Prozent! „Dort gibt es aber nicht mehr Kinder, die sprachlich, motorisch oder sozial noch nicht so entwickelt sind“, sagt Hermann.

Und Ilse Schmid, Präsidentin des steirischen Elternvereins, betont: „In Salzburg brauchen die Kinder auch nicht länger, um die Volksschule abzuschließen.“ In der Steiermark werden die Betroffenen nämlich oft zurückgestuft und müssen eine Klasse wiederholen. „Ein System des Scheiterns“, kritisiert Schmid.  

Eva Egger-Schinnerl, Manuela Khom, Stefan Hermann, Petra Pieber und Ilse Schmid (von links) bei ...
Eva Egger-Schinnerl, Manuela Khom, Stefan Hermann, Petra Pieber und Ilse Schmid (von links) bei der Pressekonferenz im Landhaus.(Bild: Land Steiermark)

Ein Jahr ohne Leistungsdruck und Noten
Nun kehren die Vorschulklassen wieder zurück – das sei ein Wunsch vieler steirischer Eltern, wie am Mittwoch mehrmals betont wird. Hermann bezeichnet es als „geschützten pädagogischen Übergang. Kinder haben Zeit, ohne Leistungsdruck und Noten anzukommen und Abläufe einer Schule kennenzulernen.“ Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) bringt einen Vergleich zum Skisport: „Wenn jemand im ersten Durchgang eine schlechte Zeit hat, kann er das im zweiten schwer aufholen. Wir verschaffen den Kindern mehr Trainingszeit.“ Ein Vorschul-Jahr zählt übrigens zu den neun Pflichtschuljahren.

Die einzelnen Schulstandorte können Vorschulklassen freiwillig einführen. Sie müssen aus mindestens zehn Kindern bestehen, geeignete Räumlichkeiten und ausgebildetes Personal sind Pflicht. Laut einer ersten Erhebung sind 20 größere Volksschulstandorte (von steiermarkweit 450) interessiert, berichtet Schulqualitätsmanagerin Petra Pieber.  

Es müssen aber die Schuleinschreibungen in den nächsten Wochen abgewartet werden, dort wird mit einem standardisierten Verfahren die Schulreife erhoben. Die betroffenen Eltern müssen dann noch zustimmen – sie können auch weiterhin den inklusiven Unterricht wählen. 

Weizer Direktorin will Vorschule einführen
Großes Interesse hat Eva Egger-Schinnerl, Direktorin des Pflichtschulclusters Weiz. Dort werden derzeit zwölf von 261 Volksschulkinder nach dem Vorschul-Lehrplan unterrichtet. „Es erreichen uns immer wieder Anfragen von Eltern, die sich eine eigene Vorschulklasse wünschen.“  Dort würde der Fokus auf die Basiskompetenzen Sprache, Motorik, Wahrnehmung und Sozialverhalten liegen. „Das kann entlastend und stabilisierend für die Kinder sein.“

Derzeit werden übrigens 110 Kinder in der Steiermark von ihren Eltern zu Hause nach dem Vorschul-Lehrplan unterrichtet. Pieber hofft, dass sich diese Zahl verringern wird. 

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