Kämpfe in Städten
Kiew verliert Kontrolle über die Ostukraine
Laut Awakow fanden die Kämpfe vor allem in den Städten Kramatorsk und Krasnyi Lyman in der Region Donezk statt. Demnach griffen prorussische Bewaffnete in Kramatorsk ein Verwaltungsgebäude an. "Die Polizei hat zurückgeschossen", erklärte der Innenminister. "Die Schusswechsel dauern an." Awakow zufolge griffen zudem "bewaffnete Kämpfer" in Krasnyi Lyman die Polizei mit "AK100-Waffen russischer Herstellung" an, die es "nur bei den russischen Streitkräften" gebe. Angaben über mögliche Verletzte machte er nicht.
Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow rief den Nationalen Sicherheitsrat für eine Krisensitzung zusammen. Das Treffen werde noch am Samstagabend abgehalten, teilte eine Sprecherin Turtschinows mit.
Polizeichef in Donezk zurückgetreten
Kurz zuvor war in der ostukrainischen Gebietshauptstadt Donezk der Polizeichef zurückgetreten. Er gab damit dem Druck der prorussischen Demonstranten nach, die mehrere Verwaltungsgebäude in der Industriemetropole besetzt halten. Über dem Polizeipräsidium wehte die Flagge der moskautreuen Kräfte.
Neben den Besetzungen in Donesk stürmten Bewaffnete in Tarnanzügen am Samstag auch eine Polizeistation und das Hauptquartier des ukrainischen Geheimdienstes SBU in Slowjansk etwa 100 Kilometer nördlich der Gebietshauptstadt, wie Innenminister Awakow mitteilte. Zudem seien der Sitz des Geheimdienstes sowie ein Verwaltungsgebäude am Samstag gestürmt worden.
Separatisten blockieren Zufahrtsstraßen
Auf dem Rathaus in Slowjansk hissten die Besetzer die russische Flagge, rund um die Stadt wurden mittlerweile von den Separatisten Kontrollposten errichtet. Die Barrikaden aus Autoreifen und Sandsäcken wurden auf Zufahrtstraßen aus Donezk und Luhansk aufgetürmt. Mit Automatikgewehren bewaffnete maskierte Männer, die eine Mischung aus Zivilkleidung und Kampfanzügen trugen, überprüften Fahrzeuge, bevor sie sie passieren ließen.
Waffen laut Polizei das Ziel der Erstürmungen
Ziel der Erstürmung der Polizeistation in Slowjansk seien die Waffen gewesen, wie ein Polizist unterdessen erklärte. Aktivisten haben demnach mindestens 400 Handfeuerwaffen und 20 automatische Waffen an sich gerissen. "Sie geben diese Waffen an die Protestierenden in Slowjansk", so der Beamte weiter.
Die prorussischen Demonstranten fordern ein Referendum über eine Abspaltung der Region, in der viele russisch-stämmige Bürger leben. Die Entwicklung schürte Sorgen, dass die Regierung in Moskau nach der Schwarzmeer-Halbinsel Krim auch andere Landesteile in die Russische Föderation eingliedern könnte. Russland hat nach NATO-Angaben inzwischen 40.000 Soldaten an der Grenze zusammengezogen.
Moskau weist jede Beteiligung zurück
Der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschiza hatte Russland zuletzt in einem Telefonat mit seinem Kollegen Sergej Lawrow aufgefordert, nicht weiter mit Provokateuren Unruhe zu stiften. Moskau weist aber jede Beteiligung zurück. Lawrow hatte bereits am Freitag erklärt, sein Land wolle, dass die Ukraine innerhalb ihrer Grenzen als Ganzes erhalten bleibe. Die Eingliederung weiterer Landesteile der Ukraine sei nicht im Interesse Russlands.
Die USA haben mittlerweile weitere Sanktionen verhängt. Sie betreffen sieben Krim-Separatisten und das Gasunternehmen Tschernomorneftegas mit Sitz auf der Halbinsel. Auch Russland drohte die Regierung in Washington mit weiteren Strafmaßnahmen, sollte Moskau den Ukraine-Konflikt verschärfen.
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