Ein jahrelanger Streit im Gemeindebau mündet jetzt in einem Gerichtsurteil, das die Delogierung einer blinden und kranken Seniorin zur Folge hat. Die Umsetzung erfolgt vielleicht sogar noch vor den Feiertagen. Die „Krone“ hat mit einer Vertrauten der Betroffenen und der Bürgermeisterin der Stadt, die das Verfahren eingeleitet hat, gesprochen.
„Wenn sie von der Dialyse kommt, kann es sein, dass sie vor verschlossener Tür steht“ – Klaudia Hanke vom Verein Zellkern in Linz sorgt sich um eine Klientin. Die 67-jährige blinde und nierenkranke Seniorin aus St. Valentin (NÖ) hat für den 18. Dezember einen Delogierungsbescheid erhalt. Ihr droht die Obdachlosigkeit.
Verbale Übergriffe, „lästig“
Das Ergebnis eines seit etwa fünf Jahren währenden Streits in einem Gemeindebau. Es geht um Beschimpfungen gegen Kinder, böse Mails auch an die Gemeinde und verbale Übergriffe, zuletzt im Gerichtssaal gegen einen Vertreter der Stadt. Nach fünf Verhandlungen – die Blindheit und die Erkrankung wurden in Gutachten vorgelegt – kam nun das Gericht zum Schluss, dass „eine Übersiedelung zumutbar ist“, wie Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr erklärt.
„Das ist keine Willkür“
Sie weiß, dass der Rauswurf einer blinden, kranken, älteren Frau aus einem Gemeindebau eine katastrophale Außenwirkung hat, erklärt aber: „Dies ist keine Willkür. Es gibt für die Einreichung der Klage einen Beschluss des Gemeinderates und jetzt eben ein gültiges Urteil.“
Seitens der Stadt sind wir bemüht, dass für die Dame eine Wohnalternative gefunden wird. Es gibt aber ein Urteil und den Beschluss des Gemeinderats.
Kerstin Suchan-Mayr, Bürgermeisterin St. Valentin
Um Aufschub angesucht
Man hofft, den Wirbel im betroffenen Gemeindebau durch die Entfernung der mutmaßlichen Unruhestifterin zu lösen. „Wenn man das Gutachten liest, glaubt man, dass die Frau ganz schlimm ist. Doch wir haben sie anders kennengelernt“, sagt Klaudia Hanke, die bei Gericht um Aufschub angesucht hat.
Alternativen gibt´s, aber es ist schwierig
Die 67-Jährige will in ihrer Wohnung bleiben, weil sie sich nur dort „gut zurechtfindet“, lehnte angebotene Alternativen bisher ab. Eine Übersiedelung ins betreute Wohnen ist finanziell nicht möglich. Denkbar ist auch der Umzug in ein Seniorenheim, da die Pflegestufe passt. Doch in St. Valentin gibt es keines und damit würden soziale Anbindungen verloren gehen. „Wir hoffen auf eine Lösung, die für alle passt“, stimmen Kerstin Suchan-Mayr und Klaudia Hanke überein
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