Fr, 16. November 2018

Gutachter deckt auf

31.01.2014 18:21

Sensations-Porsche: "P1"-Signet nur ein Fake?

Nach der Verwirrung um den angeblichen Scheunenfund, der das Fahrzeug nicht ist, scheint sich die Geschichte des "Sensations-Porsche" mit der Bezeichnung "P1" für "Porsche 1" zum handfesten Skandal auszuweiten. krone.at liegen Aussagen und Fotos eines gerichtlich zertifizierten Gutachters vor, denen zufolge der Schriftzug "P1" erst nach August 2009 angebracht worden sein kann. Und demnach nicht von Ferdinand Porsche stammt.

Zur Klarstellung: Es besteht kein Zweifel daran, dass das Fahrzeug an sich echt ist und dass Ferdinand Porsche an dessen Konstruktion beteiligt war, in Frage steht lediglich die Herkunft des eingestanzten Signets "P1".

Mit freiem Auge ist zu erkennen, dass es sich auf beiden Fotos der rechten vorderen Felge um dieselbe handelt – allerdings ist nur auf einem der beiden Bilder (nämlich dem aktuellen, das Porsche jüngst veröffentlicht hat) das in die Mutter eingeschlagene "P1" zu sehen. Das andere Foto stammt aus einem Gutachten, das im Jahr 2009 für das Technische Museum Wien erstellt wurde – von "P1" nichts zu sehen.

Einzig logischer Schluss: Die Prägung entstand erst innerhalb der vergangenen vier Jahre, seit sich das Fahrzeug nicht mehr im Besitz des Technischen Museums befindet. Dieses hatte den besagten "Egger-Lohner Phaeton C.2" - damals eine "Leiche am Depot", wie es Direktorin Gabriele Zuna-Kratky nennt - gegen "weitaus interessantere" Stücke eingetauscht. Immerhin befinde sich ein praktisch baugleiches Exemplar in der Sammlung des Museums. Der jetzt als "P1" gefeierte Oldtimer ging also 2009 an einen ungenannten Oldtimer-Händler bzw. -Sammler, der ihn nun an Wolfgang Porsche verkauft hat.

Porsche geht von Echtheit aus
Bei Porsche ist man von der Echtheit in jeder Hinsicht überzeugt. Man bat sogar Ludwig Lohners Urenkel Andreas ins Zuffenhausener Porsche-Museum, um die Echtheit des Fahrzeugs zu bestätigen. Das P1-Signet betreffend sagt Dieter Landenberger, der Leiter des Historischen Archivs bei Porsche: "Bezüglich des eingeschlagenen Kürzels 'P1' werden wir professionelle Untersuchungen anstellen. Für den ideellen Wert des Fahrzeugs als automobiles Kulturgut und seine Bedeutung für die frühe Porsche-Geschichte ist dies jedoch unerheblich."

Fakt ist: Im Jahr 1902 wurde der Wagen in der "Remise Hernals" abgestellt, was eine handschriftliche Notiz von Ferdinand Porsche belegt (siehe Foto oben).

Erst das "P1" macht die Sensation perfekt
Den besonderen Wert bekam der "Egger-Lohner" offenbar erst später – durch das P1-Signet dürfte der Oldtimer für Porsche erst richtig interessant geworden sein. Schließlich entsteht nun der Eindruck, es handle sich um den ersten Porsche überhaupt und damit um eine Sensation.

"Angeblich hätte Ferdinand Porsche in alle seine Konstruktionen ein "P" eingeschlagen. Da sich im Besitz des TMW auch andere frühe Konstruktionen von Ferdinand Porsche befinden, wurden diese untersucht, und nirgends ein 'P' aufgefunden", erklärt Museumsdirektorin Zuna-Kratky. Und Gutachter Karl Eder ergänzt: "Die Mutter in der Mitte der Nabe ist auch kein so markanter oder besonderer Bauteil, dass der üblicherweise gekennzeichnet oder werksintern markiert wird, das ist mehr oder weniger ein Massenprodukt."

Über die nachträgliche Veränderung kann er nur den Kopf schütteln: "Da diese Tatsache durchaus nachvollziehbar ist, finde ich persönlich es ziemlich sinnlos, hier Manipulationen vorzunehmen und damit die Geschichte des Fahrzeuges zu verfälschen."

Wie viel Wolfgang Porsche an den ungenannten Sammler gezahlt hat, ist nicht bekannt.

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