Verstecktes Kunstwerk

Über dem Domplatz thront ein wertvoller „Klimt“

Niederösterreich
24.07.2025 07:00

Hoch über den Dächern blickt ein wertvoller Klimt auf den St. Pöltner Domplatz. Die „Krone“ hat ihn in 25 Meter Höhe mit dem Kran der Feuerwehr besucht. 

Es gibt Momente im Journalistenleben, da steht man nicht nur über den Dingen – man steht plötzlich mitten in der Geschichte. So geschehen an einem klaren Vormittag in St. Pölten, als wir zusammen mit Bürgermeister Matthias Stadler und Sparkassen-Legende Helge Haslinger im Korb des Feuerwehr-Hubsteigers standen – auf Augenhöhe mit einem Werk des jungen Gustav Klimt.

Langsam, fast ehrfürchtig, hebt uns der große Steiger der Freiwilligen Feuerwehr St. Pölten in die Höhe. 25 Meter über dem Domplatz. Neben uns lindert Philipp Böck von der Feuerwehr unsere Höhenangst, souverän und gelassen. Unten beobachten uns ein weiterer Floriani-Kamerad, nämlich Manfred Weidinger, sowie Martin Samsinger von der Sparkassen-Stiftung – die Köpfe im Nacken, die Kameras gezückt. Und von einer Balustrade aus mustert uns eine Taube, die offenbar nicht ganz sicher ist, was wir da oben verloren haben.

Doch wir haben ein klares Ziel: Abundantia, die Göttin des Wohlstands, thront als Mosaik am Giebel des Sparkassengebäudes, das 1884 von Eugen Sehnal erbaut wurde. Dieses historistische Schmuckstück – manche Kulturhistoriker deuten es als eine Darstellung der Göttin Fortuna – gilt als eines der frühesten öffentlichen Werke des Jugendstilkünstlers.

Nur wenige wissen, dass sich am Gipfel der Sparkasse in St. Pölten ein wertvolles Klimt-Bild ...
Nur wenige wissen, dass sich am Gipfel der Sparkasse in St. Pölten ein wertvolles Klimt-Bild versteckt.(Bild: Doris Seebacher)
Das Klimt-Bild gilt als eines der frühesten öffentlichen Werke des Jugendstilkünstlers.
Das Klimt-Bild gilt als eines der frühesten öffentlichen Werke des Jugendstilkünstlers.(Bild: Doris Seebacher)
Wunderschön, und fast verborgen.
Wunderschön, und fast verborgen.(Bild: Doris Seebacher)
Die Feuerwehr St. Pölten half tatkräftig mit, damit das Kunstwerk aus nächster Nähe betrachtet ...
Die Feuerwehr St. Pölten half tatkräftig mit, damit das Kunstwerk aus nächster Nähe betrachtet werden konnte.(Bild: Doris Seebacher)
Bürgermeister Matthias Stadler, Sparkassen-Legende Helge Haslinger und „Krone“-Redakteur Mark ...
Bürgermeister Matthias Stadler, Sparkassen-Legende Helge Haslinger und „Krone“-Redakteur Mark Perry im Korb des Feuerwehr-Hubsteigers.(Bild: Doris Seebacher)

Prachtbau samt Bild zum 30. Geburtstag
Das Bildnis leuchtet golden, wirkt gleichzeitig streng und gnädig – und begleitet die Geschichte der Sparkasse seit einer kleinen Ewigkeit auf Erden. Denn 1854 wurde die St. Pöltner Sparkasse gegründet – damals war August Hassack Bürgermeister, der erste Kassier ein Rauchfangkehrer. Zum 30. Jubiläum gönnte sich das aufblühende Geldinstitut dann einen repräsentativen Prachtbau – und ein kostbares Kunstwerk noch dazu. Wie Klimt dieses in die Fassade eingefügte, liegt im Nebel ungeschriebener Geschichte verborgen.

„So nah war ich unserem Kunstschatz hier noch nie“, sagt Bürgermeister Stadler mit einem Lächeln, während der Wind leicht an unseren Jacken zupft. Und tatsächlich: In dieser Höhe, auf Tuchfühlung mit Klimt und unter den kritischen Augen einer skeptischen Stadttaube, wird Geschichte greifbar. Lebendig. Und irgendwie sehr österreichisch. Uns war jedenfalls ein einmaliger Blickwinkel auf Kunst, Stadt und Zeit gegönnt.

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