Bregenzer Festspiele

„Oedipe“ von Enescu begeistert Festspiel-Publikum

Vorarlberg
17.07.2025 15:25
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Die diesjährige Hausoper der Bregenzer Festspiele, George Enescus Oper „Oedipe“, hinterließ beim Publikum am Mittwochabend einen überwältigenden Eindruck.

Zwanzig Jahre lang soll der Rumäne George Enescu an seiner Oper „Oedipe“ gearbeitet haben. 1936 wurde dieses großartige, sehr eigenständige Werk in Paris uraufgeführt, ist aber ein Geheimtipp geblieben. Als erste Premiere der neuen Festspiel-Intendantin Lilli Paasikivi war „Oedipe“ nun im Festspielhaus Bregenz zu erleben, und zwar ungekürzt. Dass dieses oft konzertant gegebene Werk szenisch bestens realisierbar ist, bewies Regisseur Andreas Kriegenburg mit seinem Team, dem Bühnenbildner Harald B. Thor, der Kostümbildnerin Tanja Hofmann und dem Lichtdesigner Andreas Grüter.

Die antike Sage des Ödipus, dem bei seiner Geburt ein schreckliches Orakel geweissagt wird und der dies alles durchleben und durchleiden muss, ohne um die Tragik zu wissen – Enescu erzählt die Geschichte sehr behutsam und klar, sowohl im szenischen Ablauf als auch musikalisch durch das Orchester.

„Es ist ein kosmisches Geschehen“
Dieses ist zwar riesig besetzt, klingt aber vielfach sehr zart und ballt sich nur in den dramatischen Momenten zu voller Wucht. Hannu Lintu dirigiert die Wiener Symphoniker ruhig und umsichtig und führt die Gesangssolisten wie auch den fabelhaften Prager Philharmonischen Chor klangschön und sicher. Ein kosmisches Geschehen sei die Geschichte des Ödipus, sagte der Darsteller der Titelrolle, Paul Gay, im „Krone“-Interview vor der Premiere, und so verbindet Regisseur Kriegenburg diese mit den Elementen und Farben: Feuer beziehungsweise Rot für die Freude der Geburt des Ödipus, Wasser in Form von Nebel, also Blau und Grau bei seiner Selbstfindung, schwarze Asche für das Unheil, das die Stadt Theben erleidet, und schließlich lichte Naturtöne in einem Wald, in dem Ödipus seine Ruhe findet.

Regisseur Kriegenburg arbeitet intensiv mit Farben.
Regisseur Kriegenburg arbeitet intensiv mit Farben.(Bild: Mathis Fotografie)

Ebenso großartig und klar führt Kriegenburg die vielen Menschen auf der Bühne. Oft choreografisch und geradezu ikonisch, meist im Mittelpunkt Ödipus selbst, so eindrucksvoll dargestellt wie gesungen von Paul Gay. Von den weiteren Soli seien herausgegriffen die schicksalhaft an Ödipus gebundene Jokaste von Marina Prudenskaja, die auch szenisch überwältigende Sphinx von Anna Danik oder die anrührende Antigone von Iris Candelaria, die ihrem Vater in der Verbannung beisteht.

Man kann nur gratulieren
Unbedingt zu erwähnen ist zudem Ante Jercunica als Seher Theresias, dessen Prophezeiungen von aufwühlend dunklen Klängen begleitet sind. Mit dieser Aufführung von George Enescus „Oedipe“ ist den Bregenzer Festspielen ein ganz großer Wurf gelungen, und der Intendantin Lilli Paasikivi ist zu diesem Einstand zu gratulieren.

Es wäre zu wünschen, dass dieses wunderbare Werk bald weitere Aufführungen erleben kann oder dass vielleicht sogar eine andere Bühne diese hochkarätige Produktion übernimmt.

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