Digitaler Gangwechsel

Nach zehn Jahren endet die Geschichte von motoalps

Vorarlberg
06.06.2026 12:35
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Das Aus für die mit EU- und Landesmitteln geförderte Internetseite „motoalps.com“ trifft auch Vorarlbergs Biker-Routen. Die Reaktionen darauf könnten nicht unterschiedlicher sein.

Für tausende Motorradtouristen in den Ostalpen war die Adresse im Netz Gesetz: Wer epische Kehren, GPS-Daten und bikerfreundliche Einkehrmöglichkeiten im Dreiländereck suchte, landete unweigerlich auf motoalps.com. Doch auf der digitalen Passhöhe ist demnächst Schluss. Wie aus Tourismuskreisen bestätigt wurde, steht das länderübergreifende Projekt vor dem Aus. Was wie ein rein digitales Problem klingt, hat handfeste Konsequenzen für den Asphalt im Ländle. Das mit EU- und Tiroler Landesmitteln geförderte Regionalprojekt der „Terra Raetica“ war kein reines Hobby-Blog, sondern ein Schaufenster für den strukturierten Zweirad-Tourismus, bei dem auch Vorarlbergs Top-Strecken fester Bestandteil des Systems waren.

Hochtannbergpass, Faschinajoch und Bielerhöhe
Besonders deutlich wird der Einschnitt an den auf der Plattform beworbenen Vorzeigetouren wie der legendären „Route 5“. Diese führt Biker vom Tiroler Lechtal über den Hochtannbergpass nach Warth, weiter durch den Bregenzerwald, über das Faschinajoch ins Große Walsertal und schließlich über die Silvretta-Hochalpenstraße wieder zurück. Diese Routen lebten davon, dass Gastwirte, Tankstellen und Ausflugsziele entlang der Strecke im Netz direkt verknüpft waren. Mit dem Abschalten der Plattform bricht für viele spezialisierte Beherbergungsbetriebe im Bregenzerwald oder im Montafon ein direkter Kanal zu einer kaufkräftigen Zielgruppe weg, die gerade in der Zwischensaison als Wirtschaftsfaktor gilt.

Gleichzeitig hinterlässt die Nachricht in der Region ein geteiltes Echo. Während der Tourismus um die Sichtbarkeit bangt, dürfte die Meldung bei geplagten Anwohnern an den beliebten Passstraßen für ein kurzes Aufatmen sorgen, da die Diskussionen um Motorradlärm und Verkehrsbelastung im Großen Walsertal oder am Hochtannberg jeden Sommer wieder aufflammt. Weniger gezieltes Marketing im Netz, so die Hoffnung mancher Initiativen, könnte zu einer Entlastung führen.

Aufgrund ihrer Bekanntheit dürfte die Route 5 aber wohl auch in Zukunft befahren werden, die GPS-Daten müssen sich die Biker nun allerdings auf anderen Wegen zusammensuchen.

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