Es ist immer wieder überraschend, welche neuen Programmideen dem Concerto Stella Matutina zufliegen, und wie famos diese musikalisch umgesetzt werden. Zu hören war dies beim dritten Abokonzert.
Der Name Esterházy hat bis heute im Kulturleben nicht nur Österreichs einen magischen Klang. Vor allem verbindet man ihn mit Joseph Haydn und seinem Fürsten Nikolaus I., genannt „der Prachtliebende“. Dass aber eine Reihe anderer Musiker in den Diensten dieser verzweigten Familie standen, ist weniger bekannt. Ihnen war das Programm des dritten Abokonzerts des Concerto Stella Matutina (CSM) gewidmet, von Thomas Platzgummer wunderbar feinsinnig dirigiert.
Ein selten gehörtes Instrument – das Baryton
Mit der Ouvertüre D 470 von Franz Schubert, der einige Sommer als Musiklehrer auf Schloss Esterhazá wirkte, wurde das Programm eröffnet. Ein Zeitsprung wies hundert Jahre zurück auf einen komponierenden Fürsten Esterházy und dessen Werk „Harmonia caelestis“ hin, nämlich Paul. Dann wurde es mega-spannend, denn mit einem Werk von Luigi Tomasini, einem Geiger der fürstlichen Hofkapelle, begegnete man dem Baryton, einem selten gehörten Instrument. Es war das Lieblingsinstrument von Fürst Nikolaus, ist ähnlich einer Gambe recht kompliziert gebaut und wurde hier gespielt von der Ungarin Lucia Krommer.
Ebenfalls Mitglied des fürstlichen Orchesters war Anton Kraft, dessen Cellokonzert in C-Dur zum umjubelten Höhepunkt des Abends wurde. Auf einem Barockcello mit Darmsaiten wurde es gespielt von Ursina Maria Braun. Was sie aus diesem Instrument herausholte, ließ den Atem stocken, denn der Komponist hat in dieses umfangreiche Konzert alle spieltechnischen Finessen eingebaut, die denkbar sind – ein Kraft-Akt also. Ursina Maria Braun meisterte das alles scheinbar ohne Mühe, aber mit stupender Musikalität. Und das Baby in ihrem Bauch war sicher glücklich, denn so fein und differenziert war der Klang, dass er nie aufschreckte und dennoch hoch präsent war – der große Bonus des Musizierens auf Originalinstrumenten.
Hölzerne Glachter und launige Moderation
Nach der Pause begegnete man mit Joseph Weigl dem Komponistenfreund und Patensohn Haynds und schließlich Paul Wranitzky und seinen Variationen über das Lied vom „lieben Augustin“. Ursina Maria Braun saß erneut am Cello, doch nicht wie im übrigen Konzert in einer klassischen Orchesterformation, sondern umgeben von wenigen Instrumenten, unter anderem einem „hölzernen Glachter“. Wer im Namen dieses Xylophonartigen Volksinstruments das Wort Lachen entdeckt, liegt richtig, denn tatsächlich klingt es wie Gelächter. Und damit ist ein Thema angesprochen, das für den Paten dieses Konzertes, Joseph Haydn, wie auch das CSM typisch ist, nämlich der Humor.
Hier wiederum fällt einem sofort Thomas Platzgummer mit seinen launigen Moderationen ein. Aber nicht nur das: auch in der Musik Haydns ist Humor zu finden, etwa in seiner abschließend famos musizierten Sinfonie Nr. 103, wo man im Finalsatz glaubt, die Musik ist zu Ende, und es dann mit scheinbar belanglosem Geplänkel weitergeht, bis man nun wirklich den Schlussakkord erlebt. Passend dazu hat sich Platzgummer eine humorvolle Zugabe ausgedacht.
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