Zwei tote Patienten, langwierige Ermittlungen und ein Oberarzt, der unter Tatverdacht steht: Nach den Ermittlungen am Pyhrn-Eisenwurzen-Klinikum in Kirchdorf gibt es noch immer keine Entscheidung über eine mögliche Anklage. Grund dafür ist eine Mini-Posse innerhalb der Jusitz.
Kurz vor Weihnachten 2024 deckte die „Krone“ auf, dass Mordermittler im Klinikum Kirchdorf ein- und ausgingen. Eine Primaria hatte einen Kollegen aus der Anästhesie angezeigt, weil dieser beim Tod zweier Patienten nachgeholfen haben soll. Die beiden Männer waren schwer krank, hatten keine Überlebenschance. Die zentrale Frage lautet: Welche Medikation wurde eingesetzt – und was passierte wann genau?
Kirchdorf ist ein Spital in öffentlicher Hand
Der Fall ist brisant, weil er auch politische Dimensionen hat. Immerhin handelt es sich beim Klinikum Kirchdorf um ein Spital der Oberösterreichischen Gesundheitsholding, die im Eigentum des Landes Oberösterreich steht – und in der Spitzenpolitiker eine zentrale Rolle spielen.
Gutachten nur teilweise an die Oberbehörde weitergegeben
Mit den Ermittlungen befasst ist die Steyrer Justiz. Der zuständige Staatsanwalt gab mehrere Gutachten in Auftrag, die den Verdacht gegen den Arzt entweder erhärten oder entkräften sollten. Als alle Gutachten vorlagen, wurde ein Vorhabensbericht an die Oberstaatsanwaltschaft Linz übermittelt. Diese muss entscheiden, ob sie dem Vorhaben der Ankläger zustimmt oder nicht. Doch eine Formalität sorgt nun für eine Verzögerung.
Linz hat das vollständige Gutachten in Papierform angefordert und den Akt deshalb retourniert. Eine Entscheidung steht daher noch aus.

Staatsanwalt Andreas Pechatschek, Steyr
Bild: Markus Wenzel
Oberstaatsanwaltschaft schickte den Akt zurück nach Steyr
Wie Staatsanwalt Andreas Pechatschek gegenüber der „Krone“ bestätigt, liegt der Akt jetzt wieder auf dem Schreibtisch eines Kollegen. Der Hintergrund: Im Vorhabensbericht wurde zwar aus einem Gutachten zitiert, das war der Oberbehörde jedoch nicht ausreichend. Pechatschek erklärt im Gespräch: „Linz hat das vollständige Gutachten in Papierform angefordert und den Akt deshalb retourniert. Eine Entscheidung steht daher noch aus.“
Dieser kleine Lapsus verzögert eine Entscheidung im Fall Kirchdorf – sehr zum Missfallen des Linzer Strafrechtsprofessors Alois Birklbauer. Er ist der Anwalt des verdächtigen Anästhesisten: „Mein Mandant möchte endlich Klarheit haben.“
Eine weitere Verzögerung ist nicht ausgeschlossen – etwa, wenn sich das Justizministerium in den Fall Kirchdorf einschaltet und eine Weisung erteilt, also Ja oder Nein zur Anklage sagt.
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