Fahrräder boomen

Italiens Städte wollen Autoverkehr einschränken

Ausland
03.11.2013 11:19
Tempo 30 statt 50 für Pkws in den Städten, Radwege statt Parkplätze auf den rechten Straßenseiten, mehr Schutz für Fußgänger - Gemeinden in Italien haben sich verbündet, um diese Ideen durchzusetzen. "Wir wollen nicht dem Autoverkehr den Kampf ansagen, sondern alternative Formen der Mobilität fördern", betonte Vize-Verkehrsminister Erasmo D'Angelis laut der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag.

Ein entsprechendes Projekt des Gemeindeverbandes ANCI wurde nun dem Parlament vorgelegt. Mit der Geschwindigkeitsreduktion hofft man, die Zahl der Verkehrstoten stark senken zu können. 3.650 Personen sind 2012 in Italien bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, 260.500 Menschen wurden verletzt. Seit 2001 wurden 63.941 Verkehrstote in Italien gemeldet.

"Entmotorisierungswelle" in Italien
Radfahren stehe derzeit in Italien hoch im Kurs, meinte D'Angelis. Unter dem Druck der hohen Treibstoffpreise und der Krise verzichten immer mehr Italiener auf ein Auto. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der verkauften Pkws von 2,5 Millionen auf 1,4 Millionen halbiert. Allein in diesem Jahr sollen weitere 150.000 Wagen weniger abgesetzt werden. Der Verkehr in den italienischen Städten ist um 34 Prozent zurückgegangen, geht aus einem Bericht des Automobilverbands ACI hervor. Experten sprechen von einer "Entmotorisierungswelle" in Italien.

Für das autobegeisterte Italien, in dem bis vor der Krise fast 700 Autos pro 1.000 Einwohner unterwegs waren, ist der Rad-Boom eine Revolution. Die Zahl der verkaufen Fahrräder im Land hat in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands belief sich der Bestand 2012 auf 25 Millionen Stück.

Ein großes Problem ist der Mangel an Radwegen. Lediglich 4.000 Kilometer stehen in Italien zur Verfügung. Die Schaffung von Fahrradstraßen soll künftig von Städten und Gemeinden stärker gefördert werden, verlangt das italienische Umweltministerium.

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