Sa, 15. Dezember 2018

Kurz nach Eröffnung

28.10.2013 18:43

Donaubrücke "Neues Europa" droht der Zusammenbruch

Als "kraftvolles Symbol der europäischen Zusammenarbeit" hatte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn die Eröffnung der längsten Donaubrücke Mitte Juni begrüßt. Die Europäische Union hatte rund 100 Millionen Euro in den Bau der Verbindung zwischen Rumänien und Bulgarien gesteckt - nun droht die auf "Neues Europa" getaufte Brücke zusammenzubrechen, wie aus Angaben der bulgarischen Regierung hervorgeht.

Große Erwartungen waren in die neue Brücke, welche die bulgarische Stadt Widin mit dem rumänischen Ort Calafat verbindet, gesetzt worden: Die mit 3.598 Meter längste Brücke über die Donau, 1.791 Meter liegen direkt über dem Fluss, verbindet zwei der ärmsten Regionen der EU. "Die Brücke ist kraftvoller Ausdruck der EU-Regionalpolitik, die die Menschen in den Regionen miteinander verbindet und ganz wichtige Wirtschaftsbeziehungen stiftet", hatte EU-Regionalkommissar Hahn bei der Eröffnung betont.

Vom Hoffnungsträger zum großen Sorgenkind
In den Bau der Brücke waren 106 Millionen Euro an EU-Mitteln geflossen, die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf 282 Millionen Euro. Doch knapp vier Monate nach der Eröffnungszeremonie scheint der Optimismus verflogen, vielmehr wurde die symbolträchtig auf "Neues Europa" getaufte Brücke zu einem Sorgenkind. So fanden die bulgarischen Behörden bei einer Überprüfung mehr als 20 defekte Stellen, wie Transportminister Danail Papasow am Montag erklärte.

Der Check wurde initiiert, nachdem erneut ein riesiges Schlagloch auf der Brücke entstanden war. Papasow sprach von zahlreichen Rissen im Asphalt und warnte vor der gefährlich schlechten Drainage in den Fundamenten der Brücke. Das bereite ihm wegen des bevorstehenden Winters große Sorgen. Damit nicht genug, müssen beide Balkanländer wohl selbst für die Sanierungsarbeiten aufkommen, so Papasow.

Keine rechtlichen Mittel gegen spanische Baufirma?
Demnach könne die verantwortliche Baufirma, die angeschlagene spanische Ex-Alpine-Mutter FCC, nicht herangezogen werden, da ihre Arbeit bereits abgeschlossen und begutachtet worden ist, erklärte der Minister. Er habe im Vertrag mit FCC keine Klausel gefunden, die eine Garantie inkludieren würde. Bulgarien und Rumänien hätten somit keinerlei rechtliche Möglichkeit, eine Behebung der ernsten Defekte bei den Spaniern einzufordern. Kleiner Trost für die Bulgaren: Die Situation der Brücke auf rumänischer Seite sei "viel schlimmer", beteuerte Papasow. Wer nun Schuld an der Misere hat und die Kosten zur Behebung trägt, bleibt vorerst im Dunkeln.

Fest steht: die lange Geschichte der Donaubrücke ist um ein - wenn auch unrühmliches - Kapitel länger geworden. Die ersten Planungen stammen aus dem Jahr 1909, doch zwei Weltkriege, die Kriege am Balkan sowie das Ende des Kommunismus hatten die Realisierung immer wieder verhindert. 2007 nahm FCC schließlich die Bauarbeiten in Angriff. An die 1.000 Arbeiter waren am Höhepunkt der Bautätigkeit beschäftigt, die meisten kamen aus Spanien, aber auch aus Portugal und Tschechien. Bulgaren waren hingegen nur wenige an dem europäischen Prestigeprojekt, das heuer im Sommer fertiggestellt wurde, beteiligt.

Kritik an der "Brücke ins Nichts"
Für Kritiker kam der Brückenbau aber ohnehin zum falschen Zeitpunkt. Demnach fehle die Infrastruktur auf beiden Seiten der Donau, zudem hätten viele jungen Bulgaren aus der armen Region seit den 1990er-Jahren ihre Heimat in Richtung Westen verlassen. Die Brücke bekam deshalb auch den wenig hoffnungsvollen Beinamen "Brücke ins Nichts".

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