Prinzip Kalaschnikow
Marseille kämpft gegen brutale Bandenkriminalität
Erneut erschüttert eine Serie von Gewaltverbrechen die südfranzösische Hafenmetropole, die in diesem Jahr als europäische Kulturhauptstadt an ihrem Image bastelt. Allein 2013 haben organisierte Kriminalität, Drogenringe und Bandenkriege mit 13 solcher Morde die brutale Seite der Stadt an die Oberfläche gezerrt. Zuletzt starben innerhalb von zehn Tagen drei junge Männer. Das jüngste Opfer: ein 25-Jähriger, von Kugeln durchsiebt - der Mann war einschlägig polizeibekannt.
"Dafür braucht man einen langen Atem"
Die französische Regierung setzte diesmal demonstrativ Zeichen: Premierminister Jean-Marc Ayrault reiste nach dem jüngsten Anschlag in dieser Woche gleich mit fünf Ministern an. Er überließ damit nicht allein dem umtriebigen Innenminister Manuel Valls das Feld. Die Probleme in Marseille sollen nicht allein auf die Frage der Sicherheit reduziert werden. Die Riege der mitgereisten Minister zeigte die Felder auf: Justiz, Soziales, Wohnungsbau, Kampf gegen Ausgrenzung. Die aus Marseille stammende Ministerin Marie-Arlette Carlotti verwies im Sender iTele auf die schwierige Aufgabe: "Dafür braucht man einen langen Atem, es geht gegen ein mafiöses System, das die Stadt plagt."
Erste sichtbare Wirkung: Patrouillen von Sicherheitskräften am Hafen und in der Umgebung sollen die Gegend sicherer machen. Aktuell wird die Stadt von rund 240 Videokameras überwacht. Ihre Zahl soll deutlich steigen - bis September sind 100 zusätzliche Kameras geplant. Im kommenden Jahr sollen es dann etwa 1.000 sein.
30 Prozent leben unter der Armutsgrenze
Fast 30 Prozent der Menschen in Marseille leben nach Angaben des aus der Hafenmetropole stammenden sozialistischen Abgeordneten Patrick Mennucci unterhalb der Armutsgrenze, die laut Statistikbehörde Insee bei 954 Euro pro Monat festgesetzt ist. Auf nationaler Ebene sind es dagegen rund 13 Prozent.
Ein Nährboden für Gewalt, für den Soziologen Laurent Mucchielli. Ein "offensichtlicher Faktor zur Verstärkung der Kriminalität". Ebenfalls dem Sender BMFTV sagte Christophe Crepon, seit drei Jahrzehnten Polizist in der Hafenstadt: "Diese jungen Menschen sind gesetzlos. Sie haben keine Richtschnur, keinen Respekt, keine Regeln." Aus nichtigen Gründen werde getötet.
In Frankreichs zweitgrößte Stadt leben gut 850.000 Einwohner, nun sind etwa 3.500 Polizeikräfte in der Region aktiv. Premier Ayrault sicherte in dieser Woche noch mal 24 Sonderermittler und eine Einheit der nationalen Bereitschaftspolizei CRS zu.
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