Exekutionen, Folter

Überlebende über das Grauen in Nordkoreas Gulags

Ausland
21.08.2013 16:39
Mehr als 200.000 Menschen sind im stalinistischen Nordkorea von Diktator Kim Jong Un in KZ-artigen Gulags weggesperrt. Eine Kommission der UNO untersucht nun die Verbrechen, die dort täglich geschehen, und befragte zu diesem Zweck in Südkoreas Hauptstadt Seoul erstmals öffentlich Überlebende dieser Arbeitslager. Wahllose Hinrichtungen, Folter und Unterernährung stehen dort an der Tagesordnung.

Einer der Zeugen ist Shin Dong Hyuk (30, Bild). Er gilt als einziger Nordkoreaner, der jemals lebendig aus einem Straflager entkommen konnte, was ihm 2005 im Alter von 23 Jahren gelang. Mittlerweile ist er Menschenrechtsaktivist.

Geboren im "Camp 14"
Shin Dong Hyuk ist im "Camp 14" geboren. Es liegt rund 80 Kilometer nördlich von Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang und hat zwischen 30.000 und 40.000 Insassen. Die in den Lagern geborenen Kinder erhalten zwar Schulunterricht, werden aber schon früh zur Arbeit gezwungen - etwa in Bergwerken oder Fabriken. Mit sieben Jahren sah Shin, wie ein Mädchen in seiner Klasse vom Lehrer totgeschlagen wurde, weil sie Getreidekörner in der Tasche hatte.

Mit 14 Jahren hörte er, wie seine Mutter mit seinem Bruder über vermeintliche Fluchtpläne redete - und erzählte es den Wärtern. "Ich war in meinem Alter damals stolz darauf", wird Shin von der deutschen Nachrichtenagentur dpa zitiert. Es sei eine Regel gewesen, über Fluchtpläne von Mitgefangenen zu informieren. Seine Mutter und sein Bruder seien am nächsten Tag abgeholt worden.

Shin musste mit ansehen, wie seine Familie getötet bzw. gehängt wurde. Auch er selbst sei immer wieder gefoltert worden und habe Mäuse bei lebendigem Leib gegessen, um nicht zu verhungern.

Erste offizielle UN-Untersuchung
Am Dienstag, dem ersten Tag der Anhörungen durch die UN-Kommission, die derzeit in Seoul stattfinden und später in der japanischen Hauptstadt Tokio fortgesetzt werden, beschrieb ein weiterer Zeuge die menschenunwürdigen Zustände in den Straflagern, in denen nach Schätzungen von Amnesty International aktuell rund 200.000 "politische Gefangene" einsitzen.

Es ist das erste Mal, dass ein von der UNO eingesetzter Ausschuss die Menschenrechtslage in Nordkorea untersuchen will. Kims Regime verweigert der Kommission den Zutritt ins Land.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
21.08.2013 16:39
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung