Terror-Befürchtungen

Westen macht Botschaften in islamischer Welt dicht

Ausland
05.08.2013 20:39
Aus Furcht vor Terroranschlägen haben die USA am Sonntag 22 Botschaften in 17 islamischen Ländern geschlossen. Der Betrieb vieler diplomatischer Vertretungen soll noch mindestens bis kommenden Samstag eingestellt bleiben, teilte das US-Außenministerium mit. Auch Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Norwegen machten ihre Botschaften in einigen islamischen Ländern vorübergehend dicht.

Im Jemen (im Bild die US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa) sehen Sicherheitskreise offensichtlich eine besonders bedrohliche Lage. Neben den USA haben Deutschland, Großbritannien und Frankreich ihre Botschaften am Sonntag geschlossen. Am Montagabend folgte dann auch Norwegen. Die Regierung in Oslo erklärte, die beiden Vertretungen in Saudi-Arabien und Jordanien seien für die Öffentlichkeit gesperrt worden. Man werde aber weiterhin in den Botschaften arbeiten, es würden auf jeden Fall Briefe und Telefonate beantwortet.

Großbritannien teilte am Montag mit, die Schließung seiner Botschaft zu verlängern. Die diplomatische Vertretung in Sanaa werde wegen anhaltender Sicherheitsbedenken zwei weitere Tage geschlossen bleiben, hieß es aus Regierungskreisen in London. Die Botschaft werde erst am Donnerstag nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan wieder öffnen.

Auch die französische Botschaft im Jemen bleibt länger geschlossen. Außenminister Laurent Fabius ordnete Montagmittag an, die Vertretung bis einschließlich Mittwoch geschlossen zu lassen. Die deutsche Botschaft in Sanaa bleibt mindestens noch am Montag geschlossen, sagte ein Sprecher das Auswärtigen Amtes. Österreichs Botschaften und Honorarkonsulate in der Region sind weiterhin geöffnet.

Schließungen von Westafrika bis Südasien
Von den 22 am Sonntag geschlossenen US-Botschaften bleiben 19 bis Samstag außer Betrieb. Betroffen sind verschiedenste Länder der islamischen Welt, von Mauretanien in Nordwestafrika bis ins südasiatische Bangladesch. Auch Kanada entschied sich kurzfristig, seine Vertretung in Bangladesch nicht zu öffnen.

Al-Kaida-Gespräche abgehört
Nach Angaben von US-Abgeordneten gehen die Warnungen auf abgehörte Gespräche zwischen Al-Kaida-Anführern zurück. "Wir haben die Information erhalten, dass hochrangige Al-Kaida-Anhänger auf der arabischen Halbinsel über große Anschläge geredet haben", sagte der demokratische Abgeordnete Dutch Ruppersberger, der im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses sitzt, am Sonntag dem Fernsehsender ABC. Die Vorbereitungen der Anschläge seien derzeit im Gange.

Die Verlängerung der Botschaftsschließungen ist aber offenbar nicht auf neue geheimdienstliche Erkenntnisse vom Wochenende zurückzuführen. Die Maßnahme sei "kein Hinweis" auf neue Daten über die Terrorbedrohung, erklärte das State Department. Sie spiegle vielmehr die Verpflichtung der Regierung wider, angemessene Schritte zum Schutz des Botschaftspersonals und der Besucher zu ergreifen.

Abgeordnete: Schwerste Bedrohung seit Jahren
Mehrere Kongressmitglieder sprachen am Sonntag in Fernseh-Talkshows von der schwersten Bedrohungslage seit Jahren. Dabei galt das Augenmerk zunehmend dem Jemen. Die dortige Regierung sei in höchster Alarmbereitschaft, zitierte der Sender CNN einen Regierungsbeamten. Demnach waren am Sonntag zwölf Panzer etwa 500 Meter von der US-Botschaft in Sanaa entfernt positioniert.

Weltweite Interpol-Sicherheitswarnung
Der französische Präsident Francois Hollande sagte, man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien. Das britische Außenministerium riet Landsleuten in einer Reisewarnung zur Ausreise aus dem Jemen. Die internationale Polizeibehörde Interpol gab am Samstag eine weltweite Sicherheitswarnung heraus.

Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Vor allem vor dem Hintergrund zahlreicher Massenausbrüche aus Gefängnissen in Libyen, Pakistan und dem Irak scheint die Warnstufe zu steigen.

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