04.08.2013 17:10 |

"Friedliche Lösung"

Ägypten: Armeechef traf sich mit Mursi-Anhängern

Im Ringen um eine Lösung der politischen Krise in Ägypten ist Armeechef Abdel Fattah al-Sisi in der Nacht auf Sonntag mit ranghohen Salafisten zusammengetroffen. Dabei sei es um ein friedliches Ende der seit Wochen andauernden Proteste von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gegangen, der aus der Muslimbruderschaft stammt, hieß es.

Anders als ursprünglich berichtet, hatte sich Al-Sisi nicht mit Vertretern der Muslimbrüder getroffen, sondern mit Unterstützern der Protestbewegung der Mursi-Anhänger. "Hoffen wir, dass die Muslimbrüder auf das hören, was sie über eine friedliche Lösung der politischen Krise zu sagen haben", zitierte die Nachrichtenagentur AFP eine gut informierte Quelle, die anonym bleiben wollte.

Armeesprecher Ahmed Aly hatte zuvor von einem Treffen Al-Sisis mit "ranghohen Islamisten" gesprochen, bei dem es um ein friedliches Ende der seit Wochen andauernden Proteste von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mursi gegangen sei. Beobachter waren daher davon ausgegangen, der Militärchef habe sich mit Muslimbrüdern getroffen.

Die Muslimbrüder selbst hatten am Samstag vorsichtig Gesprächsbereitschaft signalisiert und erklärt, die Forderungen der Mursi-Gegner zu "respektieren". Eine Lösung könne jedoch nur mit den Parteien unter Ausschluss der Armee und Al-Sisis erreicht werden, die vom Militär ausgesetzte Verfassung müsse reetabliert werden, so ein Sprecher. Zuvor hatten die Islamisten für Sonntag zu einer "Demonstration der Millionen" aufgerufen.

Prozess gegen Muslimbrüder ab 25. August
Unterdessen wurde am Sonntag auch bekannt, dass bereits am 25. August der Prozess gegen sechs führende Mitglieder der Muslimbrüder beginnen soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen "Anstiftung zum Mord vor", nachdem acht Demonstranten am 30. Juni beim Versuch, das Hauptquartier der Muslimbruderschaft zu stürmen, ums Leben kamen. Unter den Angeklagten befinden sich unter anderem der Vorsitzende Mohamed Badie sowie seine Stellvertreter Chairat al Chater und Rachad Bayoumi, berichtete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA.

Gewalt gegen Christen bei Kundgebungen
In der ägyptischen Provinz Minya war es unterdessen am Sonntag bei einer Kundgebung der Muslimbrüder zu blutiger Gewalt zwischen Christen und Muslimen gekommen. In dem Dorf Raida hätten die Islamisten während eines Protestmarsches am späten Samstagabend eine Kirche und mehrere Häuser von Christen mit Steinen beworfen, berichtete das christliche Nachrichtenportal "Watani.net" am Sonntag.

In dem Dorf Bani Ahmed al-Sharkia schritt die Polizei mit Tränengas ein, als sich nach einer Pro-Mursi-Demonstration am Abend in einem Teehaus ein persönlicher Streit zwischen einem jungen Muslim und einem koptischen Christen zu einer Straßenschlacht ausweitete. Die Kontrahenten warfen Steine und Brandbomben. Drei Zivilisten und ein Polizeioffizier wurden verletzt. Ein Vertreter der Organisation "Kopten ohne Grenzen" sagte dem Nachrichtenportal "youm7", die Mursi-Anhänger griffen zunehmend Christen an, "um Terror in der Gesellschaft zu verbreiten". Kirchenvertreter und maßgebliche muslimische Geistliche hatten vor einem Monat die Absetzung Mursis gebilligt.

Al-Sisi will Protestcamp räumen
Seit der Ex-Präsident aus dem Lager der Muslimbrüder am 3. Juli durch das Militär abgesetzt worden war, gehen die Mursi-Anhänger regelmäßig auf die Straße. Tausende harren darüber hinaus in zwei Protestcamps in Kairo aus, in denen sie so lange bleiben wollen, bis Mursi wieder im Amt ist.

Al-Sisi hatte am Samstag gegenüber der "Washington Post" angekündigt, das Camp zu beenden. Mehr als 30 Millionen Menschen seien am 26. Juli zu seiner Unterstützung auf die Straße gezogen. "Diese Menschen erwarten von mir, dass ich etwas unternehme", sagte der Armeechef. Allerdings sei nicht das Militär für eine Räumung der Camps zuständig, sondern die Polizei. Zuvor hatte das Innenministerium in Kairo Mursis Anhänger aufgefordert, die Proteste zu beenden und die Lager freiwillig zu räumen. Befürchtet wird ein neues Blutvergießen, sollten die Sicherheitskräfte die Camps in der Hauptstadt gewaltsam schließen.

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