Zahlreiche Verletzte

Proteste in Brasilien richten sich auch gegen Confed Cup

Ausland
23.06.2013 13:05
Nach der Rede von Präsidentin Dilma Rousseff sind in Brasilien wieder mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Korruption und soziale Missstände im Land zu protestieren. Erneut kam es zu Straßenschlachten und Konfrontationen zwischen Randalierern und Polizei. Diesmal vor allem in Belo Horizonte, wo am Samstag während des Confed-Cup-Spiels Mexiko-Japan mehr als 65.000 Menschen demonstrierten.

In beiden Städten versuchten Demonstranten, zu den Stadien vorzudringen. Sie wurden aber von starken Polizeieinheiten daran gehindert. In Belo Horizonte, der Landeshauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, bewarfen die Randalierer die Polizisten mit Steinen und legten Brände. Die Polizei reagierte mit Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschoßen. Berittene Polizisten waren im Einsatz. Es gab nach vorläufigen Angaben insgesamt 15 Verletzte auf beiden Seiten. Die überwiegende Mehrheit der Demonstranten protestierte friedlich.

Die Menschen skandierten unter anderem "Die WM für wen?" Die hohen Kosten für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft in einem Jahr sind einer der Gründe für die Wut der Brasilianer.

Menschen fordern: "Schluss mit Korruption"
Proteste gab es auch in Santa Maria in Südbrasilien und in Sao Paulo, wo sich jeweils mindestens 30.000 Menschen an Protesten beteiligten. In Santa Maria demonstrierten vor allem Angehörige und Freunde der Opfer des Brandunglückes in der Diskothek Kiss, bei dem Ende Jänner mehr als 200 junge Menschen den Tod fanden. In Sao Luis im Nordosten gingen rund 5.000 Menschen auf die Straße.

In allen Städten waren Plakate mit der Aufschrift "Schluss mit Korruption" zu sehen. Doch die Proteste hatten auch diesmal zahlreiche andere Themen. Viele Demonstranten kritisierten die geplante Änderung eines Gesetzes, das Ermittlungsbefugnisse der Staatsanwaltschaft einschränkt und auf die Polizei überträgt. In Brasilia demonstrierten etwa 3.000 Frauen mit einem auch aus anderen Ländern bekannten "Marsch der Schlampen" gegen Sexismus.

Präsidentin versprach "großen Pakt"
Präsidentin Rousseff hatte am Freitag in einer Ansprache an die Bevölkerung einen "großen Pakt" angekündigt, mit dem unter anderem das öffentliche Nahverkehrssystem verbessert werden soll (Bericht siehe Infobox). Auch sollten mehr Einnahmen aus dem Ölgeschäft in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland angeworben werden. Wörtlich hatte sie gesagt: "Die Stimme der Straße muss gehört und respektiert werden und darf nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken."

Allein in Rio de Janeiro hatten sich am Donnerstag 300.000 Teilnehmer zu Protesten versammelt. Landesweit waren es mehr als eine Million gewesen. Die Demonstranten beklagen eine Reihe von Missständen, etwa schlechte Krankenhäuser und Schulen sowie Korruption. Viele kritisieren, dass die Regierung mit Steuergeld Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr bauen lässt.

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