23.06.2013 16:52 |

"Konflikt-Import"

Demos in Wien: Erdogan spaltet die Austro-Türken

Die Ereignisse am Istanbuler Taksim-Platz bringen Unruhe in die türkische Gemeinde in Österreich. Mehr als 8.000 Menschen sind am Sonntag in Wien nach Behördenangaben für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die Straße gegangen. An einer Gegenkundgebung nahmen laut Polizei unterdessen rund 600 Personen teil. Türkische Organisationen in Wien warnen bereits vor einer Spaltung der Türken in Österreich und vor einem "Import des Konflikts".

Ab Sonntagmittag fanden in Wien mehrere Demonstrationen statt. Während die einen zur Unterstützung der türkischen Regierung auf die Straße gingen, demonstrierten die anderen für die Aktivisten vom Istanbuler Gezi-Park. Die Routen der Protestmärsche wurden von der Wiener Polizei so gelegt, dass sie einander nicht kreuzten, um Zusammenstöße zu vermeiden.

"Ich unterstütze Erdogan"
Die Unterstützer Erdogans riefen lautstark den Namen des türkischen Regierungschefs und Slogans wie "Yalla Bismillah Allahu Akbar" ("Los geht's im Namen Gottes, Gott ist allmächtig"). Neben zahlreichen türkischen Nationalflaggen waren auch Fahnen der regierenden islamisch-konservativen Regierungspartei AKP zu sehen. "Ich unterstütze Erdogan", machte der 23-jährige Mustafa nahe dem Ausgangspunkt des Marsches am Columbusplatz in Favoriten seine Position deutlich. Die Protestierenden vom Istanbuler Gezi-Park seien demnach "Terroristen".

Von Seiten der Unterstützer Erdogans gab es auch heftige Kritik an der Medienberichterstattung. Nachrichtensender wie BBC und CNN bringen falsche Nachrichten“, sagte die 25-jährige Esra. Es sei falsch, die türkische Polizei als Kriminelle und die Regierung als Diktatur darzustellen. Die Polizei habe nur auf die Steinwürfe der Demonstranten im Gezi-Park reagiert.

"Erdogan darf Kritiker nicht mundtot machen"
Hingegen erklärte die 35-jährige Hülya, die an der Konkurrenzveranstaltung in der Wiener Innenstadt teilnahm, dass sie Erdogan und die von ihm betriebene Politik ablehne. "Er darf nicht alle Kritiker mundtot machen", kritisierte sie. Ihre Freundin, die 28-jährige Yasemin, kam zur Demonstration, um ein Zeichen "gegen den Faschismus" in ihrem Land zu setzen.

Türkische Organisationen in Wien befürchten bereits eine Spaltung der Türken in Österreich. Der Sprecher der vor wenigen Tagen gegründeten Plattform "New Vienna Turks", Fatih Köse, trat bisher als Unterstützer der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf. In der Vorwoche bezeichnete er das Vorgehen der türkischen Polizei als "human". Er stellte jedoch klar, dass er sowohl die Seite der Regierung als auch die der Demonstrierenden vom Istanbuler Gezi-Park nachvollziehen kann. "Wir haben für beide Seiten Verständnis", sagte er vor den Demonstrationen.

"Nicht gegeneinander ausspielen lassen"
Köse zeigte sich besorgt über die Entwicklung in der Türkei. "Wir sind ein Land, ein Volk", sagte Köse. Ganz gleich, ob man rechts, links, für oder gegen Erdogan, Kurde oder Türke sei. Man müsse gemeinsam als Einheit agieren, sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. "Ich habe Angst, dass so etwas wie in Syrien passiert", sagte Köse. "Ich will das nicht." Deshalb wollte die Plattform sowohl bei der Kundgebung für als auch gegen Erdogan präsent sein.

Der Verein "Türkische Kulturgemeinde in Österreich" hatte sich hingegen im Vorfeld der Proteste in Wien von der Demonstration zur Unterstützung Erdogans distanziert. "Wir rufen alle unsere Landsleute in Österreich auf, bei dieser Demo in aller Ruhe ihr Recht auf Demonstration und Meinungsfreiheit in Österreich zu nützen. Auf der anderen Seite warnen wir alle Verantwortlichen in Wien davor, nicht mit hetzerischer Propaganda aus der Türkei hier in Österreich die Menschen ('Sunniten gegen Aleviten', 'Konservative gegen Liberale' und umgekehrt) gegeneinander aufzustacheln", hieß es in einer Aussendung.

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