Trotz Gewaltspirale

NATO übergibt Verantwortung an afghanische Kräfte

Ausland
18.06.2013 10:22
Nächster wichtiger Schritt auf dem Weg zum Abzug der NATO-Streitkräfte aus Afghanistan bis Ende 2014: Präsident Hamid Karzai (Bild) hat am Dienstag offiziell die Übernahme der Sicherheitsverantwortung im gesamten Land durch einheimische Kräfte verkündet. "Unsere Sicherheits- und Verteidigungskräfte übernehmen nun die Führung", sagte Karzai in einer Rede in der Hauptstadt Kabul.

Am Dienstag werden die verbliebenen 95 Bezirke unter bisheriger Verantwortung der NATO-Streitkräfte an afghanische Kräfte übergeben. Sie befinden sich in den unruhigen südlichen und östlichen Landesteilen, wo die aufständischen Taliban besonders stark sind. Ab nun sollen die rund 100.000 NATO-Soldaten im Land nur noch eine unterstützende Rolle einnehmen. 

NATO-Generalsekretär spricht von "Meilenstein"
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach in der Kabuler Militärakademie von einem "Meilenstein". "Die afghanischen Kräfte übernehmen heute die Führung bei der Sicherheit", sagte er. "Der Schwerpunkt unserer Truppen verschiebt sich jetzt vom Kampf zur Unterstützung. Wir werden die afghanischen Truppen bei Bedarf weiter bei Operationen unterstützen. Aber wir werden diese Operationen nicht mehr planen, durchführen oder anführen."

Es bleiben jedoch Zweifel, ob die 350.000 afghanischen Sicherheitskräfte der Lage vollauf gewachsen sind, auch wenn der afghanische Präsident von einer verbesserten Sicherheitslage sprach. Kurz vor Karzais Rede wurden bei einem Bombenanschlag in Kabul mindestens drei Zivilisten getötet und 24 weitere Menschen verletzt. Der Angriff galt nach Angaben der Polizei dem bekannten afghanischen Abgeordneten Mohammed Mohakik. Demnach explodierte ein selbstgebauter Sprengsatz vor einem Gebäude, in dem sich Mohakik aufgehalten habe. Der Abgeordnete sei unverletzt geblieben. 

Zahlreiche Regionen im Visier der Taliban-Offensive
Auch in anderen Regionen hat die Gewalt in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Erst am Montag wurden bei einer Serie von Bombenanschlägen und Polizeioperationen gleich in mehreren Provinzen zehn Soldaten und elf Talibankämpfer getötet. Ebenfalls am Montag entging der Polizeichef der südlichen Provinz Helmand knapp einem Selbstmordanschlag. Zwei seiner Leibwächter und zwei Passanten seien verletzt worden, als sich der Attentäter in einem mit Sprengstoff gefüllten Wagen in die Luft gesprengt habe, teilte die Provinzregierung mit.

Seit April führen die Taliban ihre "Frühjahrsoffensive" in Afghanistan durch. Als Ziele dienen unter anderem Militärflughäfen der NATO-geführten Truppen sowie diplomatische Einrichtungen.

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