Kein Ende in Sicht

Türkei: Tränengas und Wasserwerfer gegen Protestler

Ausland
05.06.2013 15:34
In der Türkei ist es trotz der Entschuldigung der Regierung für das harte Durchgreifen gegen Demonstranten erneut zu Zusammenstößen gekommen. In mehreren Städten gab es die sechste Nacht in Folge Krawalle. Die Polizei habe Tränengas, Gummigeschoße und Wasserwerfer eingesetzt, berichteten Aktivisten.

Die Proteste sollen nach dem Willen der Organisatoren weiter andauern. Wie türkische Medien am Mittwoch berichteten, kündigte eine der führenden Initiativen, die Taksim-Plattform, nach einem Treffen mit Vizeregierungschef Bülent Arinc in Ankara an, ihren "Kampf" fortsetzen zu wollen, bis die Regierung auf ihre Forderungen eingehe. Arinc hatte sich am Dienstag nach einem Treffen mit Staatspräsident Abdullah Gül für die Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten entschuldigt, doch die Wogen haben sich seither nicht geglättet.

Kampf um Erhaltung des Gezi-Parks und gegen die Regierung
Die Aktivisten haben eine Liste an Forderungen. So verlangen sie unter anderem den Erhalt des Gezi-Parks in Istanbul, der einem Einkaufszentrum weichen soll. Ferner fordern sie die Freilassung aller verhafteten Demonstranten sowie ein Ende des Einsatzes von Tränengas. Zudem hieß es, alle für die Gewalt gegen Demonstranten verantwortlichen Polizeichefs sollten entlassen werden.

Zwei große Gewerkschaften kündigten bereits an, sich den Protesten anzuschließen. Die dem linken Spektrum zugeordneten Gewerkschaften KESK und DISK riefen am Mittwoch in den großen Städten des Landes zu Demonstrationen und Streiks auf. Tausende Menschen folgten dem Ruf und versammelten sich in Istanbul zu Demonstrationen gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Zwei Tote und Tausende Verletzte
Die Zahl der Verletzten bei der seit Freitag andauernden Protestwelle sei inzwischen auf insgesamt 4.100 gestiegen, teilte der türkische Ärzteverband TTB mit. Davon seien 43 in einem kritischen Zustand. Bei den Protesten wurden nach früheren Angaben auch zwei Demonstranten getötet (siehe Infobox). Außerdem wurden nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen 14 Journalisten verletzt.

Twitter-Nutzer festgenommen
Die türkische Polizei ging unterdessen mit Festnahmen gegen im Internet aktive Regierungsgegner vor. In der westtürkischen Stadt Izmir seien insgesamt 25 Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter in Gewahrsam genommen worden, denen Anstachelung zu einem Aufstand sowie Propaganda und Desinformation vorgeworfen werde, berichteten türkische Medien.

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