Gläubiger stimmen zu

“Latino-Investor” rettet die Schwedenbomben

Wirtschaft
16.05.2013 15:43
Die Schwedenbomben dürften auch in Zukunft den Österreichern das Leben versüßen: Die Gläubiger des insolventen Wiener Süßwarenbetriebs Niemetz haben am Donnerstag einen Sanierungsplan - versehen mit einer 95-prozentigen Barquote - abgesegnet. Mehr als 4,1 Millionen Euro müssen nun bis 21. Mai beim Masseverwalter eingelangt sein, sonst wird sofort mit dem Verkauf gestartet. Schaffen will Niemetz die Sanierung mit einem Investor aus Südamerika. Wer dieser Geldgeber ist, ist noch völlig unklar.

Mit der am Donnerstag erfolgten Annahme des Sanierungsplans mit einer Barquote von 95 Prozent ist die Rettung des Schwedenbomben-Fabrikanten Niemetz nun deutlich wahrscheinlicher. Doch sollten die angebotenen mehr als 4,1 Millionen Euro bis zum 21. Mai nicht auf dem Treuhandkonto von Masseverwalter Stephan Riel sein, wird verkauft.

Vorerst keine Angaben über Südamerika-Geldgeber
Vorerst zeigten sich die Gläubiger aber hoffnungsfroh, dass die Gesellschafter die nötige Summe auftreiben können. Gestemmt werden soll diese - sie ist noch einmal deutlich höher als die in der Vorwoche geforderten 3,3 Millionen Euro - mithilfe eines nicht näher genannten Investors aus Südamerika. Weitere Angaben über den Geldgeber habe es bei der Sanierungstagsatzung am Wiener Handelsgericht am Donnerstag nicht gegeben, hieß es vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV) sowie vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV).

Tiroler Interfood hat bei Verkauf die besten Karten
Sollte die Sanierung doch platzen, haben die Gesellschafter einem sofortigen Verkauf des Unternehmens zugestimmt. Die größten Chancen für den Zuschlag werden dabei dem in Hall in Tirol angesiedelten Lebensmittelgroßhändler Interfood eingeräumt. Das Unternehmen war bisher Höchstbieter im Fall einer Veräußerung und hatte ein verbindliches Angebot von 3,6 Millionen Euro gelegt. Der Betrag könnte aber auch noch nachgebessert werden, hieß es zuletzt.

Gläubiger wollen mindestens drei Millionen Euro
Weiter im Rennen ist laut KSV auch noch die rumänische Meinl-Tochter Heidi Chocolat S.A., die für den Schwedenbomben-Hersteller rund drei Millionen Euro hinblättern will. Die Gläubiger wollen im Fall eines Verkaufs jedenfalls nicht schlechter aussteigen. "Mit einer 95-Prozent-Barquote kann auch in diesem Fall gerechnet werden", so Daniela Fradinger-Gobec vom AKV. Süßwarenproduzent Manner und der Risikokapitalgeber GCP sind ebenfalls noch immer unter den Interessenten.

Austro-Investor Grossnigg in letzter Minute abgesprungen
Die Wiener Confiserie Heindl hatte sich indes schon vor Tagen aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Zuletzt wurde vorrangig der heimische Investor Erhard Grossnigg mit seiner Austro-Holding als potenzieller Retter gehandelt. Dieser war allerdings in letzter Minute abgesprungen. Für ihn dürfte sich der Einstieg bei Niemetz - die Rede war von einer 70-Prozent-Beteiligung - nicht gerechnet haben.

Niemetz-Zukunft trotz Sanierungsplan weiter ungewiss
Doch auch falls Niemetz die mehr als 4,1 Millionen Euro dank externer Hilfe auftreiben kann, sind die Gläubigervertreter offenbar von der mittel- und langfristigen Zukunft des Süßwarenbetriebs nicht zur Gänze überzeugt. "Ob die bisherigen Gesellschafter darüber hinaus auch über ein nachhaltiges Konzept für eine erfolgreiche Fortführung verfügen, bleibt zu hoffen", meinte Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer.

Kampf ums Überleben tobt seit Monaten
Der in Wien-Landstraße ansässige Traditionsbetrieb Niemetz kämpft seit Monaten ums Überleben. Anfang Februar wurde ein Sanierungsverfahren beantragt. Die Vorzeichen, dass die Rettung nun tatsächlich noch gelingt, stehen mit dem nunmehrigen Gläubigervotum nicht allzu schlecht.

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