Gefeierte Premiere von Franz Molnárs Klassiker um einen Hutschenschleuderer: Jubel für Regisseur Philipp Stölzl und Stefanie Reinsperger in der Titelrolle.
Todesmutiger kann man sich den Herausforderungen des Berufs gar nicht stellen als der deutsche Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl bei seinem fälligen Burg-Debüt. Nimmt der doch glatt den Weg zurück zu den zeitlosen Tugenden des Theaters, ohne der Feuilletonblase auch nur einen Angstblick zu gönnen!
Das Resultat ist ein Abend voll Poesie und Herzenswärme, dabei mit drastischem Witz „Kottan“ und „Kaisermühlenblues“ verpflichtet, und doch eine große, perfekt gearbeitete Menschheitstragödie.
Man bleibt beim österreichischen Idiom, vertraut aber, kaum merkbar, der Übersetzung von Terezía Mora, nicht dem Klassiker von Polgar. Einziger Schauplatz ist die Gstettn von Bahndamm, auf dem sich Liliom das Messer in den Leib gerannt hat. Er erwacht unter Aufsicht zweier Todesengel, die ihn zurück auf den Weg der Erkenntnis befehligen.
Für die Schauplatzwechsel genügen die bildstarke Lichtregie und prägnante optische Zitate, und über allem leuchtet Stefanie Reinsperger, die ein unglaubliches Maß an Verwandlung vollzieht und sich im Wortsinn die Seele aus dem Leib spielt. Dieser Urgewalt mit dem spinnwebenzarten Seelenkostüm steht wunderbar Maresi Riegners filigrane, löwenstarke Julie gegenüber.
Zeynep Buyrac, Stefko Hanushevski, Sebastian Wendelin, Norman Hacker und Tilman Tuppy als Engel, Robert Reinagl, Franziska Hackl, Dunja Sowinetz und Fabia Matuschek: Da fehlt nichts zum tadellosen Ensemble. Nur das finale Video hätte man nicht vermisst.
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