Kern zufrieden

ÖBB fuhren 2012 überall leichte Gewinne ein

Wirtschaft
26.04.2013 17:10
Die ÖBB haben 2012 einen Gewinn erzielt und damit das wirtschaftliche Ziel schwarzer Zahlen bereits ein Jahr früher erreicht als geplant. Alle drei Teilbereiche haben positiv gewirtschaftet - auch die angeschlagene Gütersparte Rail Cargo. Zulegen konnten die Bundesbahnen auch bei den Fahrgästen. Für ÖBB-Chef Christian Kern ist der Rückblick auf ein "erfolgreiches Jahr" aber noch nicht genug - er plant weitere Ergebnisverbesserungen und will die Bahn kundenfreundlicher machen.

"Wir sind nicht nur die pünktlichste Bahn, sondern auch pünktlich bei den Gewinnen", meinte Kern bei der Jahresbilanzpressekonferenz am Freitag in Wien. In den vergangenen Jahren sei es gelungen, die Richtung des Denkens im Konzern zu verändern. Das Turnaround-Programm habe in allen Konzernbereichen zu Ergebnisverbesserungen geführt. Der ÖBB-Zug sei aber noch lange nicht in der Station angekommen: "Wir wollen weiter wirtschaftlicher und kundenfreundlicher werden."

Mitarbeiterzahl unter 40.000er-Marke gesunken
Unterm Strich verbuchte der Konzern 2012 ein Ergebnis von 66,5 Millionen Euro, nach 27,9 Millionen im Jahr davor. Der größte Beitrag kommt vom Personenverkehr mit 41,5 Millionen Euro, gefolgt vom Güterverkehr mit 29 Millionen und der Infrastruktur mit 8,8 Millionen. Der Umsatz lag bei 5,24 Milliarden Euro, was gegenüber 2011 mit 5,22 Milliarden ein leichtes Plus darstellt. Die Zahl der Mitarbeiter sank unter 40.000, 1990 waren es noch 67.000 Eisenbahner. Betriebsbedingte Pensionierungen gab es 2012 keine. Heuer sollen 380 Leasing-Mitarbeiter in den konzerneigenen Personalstand übernommen werden.

Fahrgastzahlen deutlich gestiegen
Der Personenverkehr verzeichnete auf der Schiene deutlich gestiegene Fahrgastzahlen: Besonders im Nah- und Regionalverkehr wählten mehr Menschen die Bahn. Von 209 Millionen Fahrgästen im Jahr 2011 stiegen die ÖBB-Bahnfahrerzahlen auf 224 Millionen, ein Plus von sieben Prozent. Neben der Eröffnung schnellerer Strecken habe dazu auch mehr Komfort in den Zügen beigetragen, etwa durch den Railjet-Einsatz auf der Südbahnstrecke, erläuterte Kern. Die Zahl der Buspassagiere stagnierte bei 240 Millionen, dies sei auf sinkende Schülerzahlen und auch mehr Wettbewerb zurückzuführen. In Summe (Bahn und Bus) wählten im Vorjahr 464 Millionen Fahrgäste die ÖBB als Verkehrsmittel, ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2011.

"Wir planen derzeit keine Preiserhöhungen"
Angesichts verkürzter Fahrtzeiten, mehr Angebot und komfortablerer Züge rechnet Kern mit weiteren Steigerungen bei den Fahrgastzahlen. Das Preisniveau im Personenverkehr soll hingegen gleich bleiben: "Wir planen derzeit keine Preiserhöhungen vorzunehmen, wir sind mit dem, was wir haben, sehr zufrieden." Im Personenverkehr wurden im vergangenen Jahr die Preise erhöht. Schwächen ortet der Bahnchef beim Kundenservice betreffend Beschwerdemanagement. Die Komplexität im Preissystem werde zunehmend reduziert: "Auf Dauer werden wir unseren Kunden nicht erklären können, warum es drei verschiedene Hundetarife gibt."

Verbesserungen im Güterverkehr angestrebt
Auch der Güterverkehr erzielte ein positives Ergebnis, trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds. Hier haben Produktivitätsverbesserungen und Preissteigerungen zum Turnaround beigetragen. Trotz steigenden Wettbewerbs blieb der Marktanteil der Rail Cargo Austria bei 84 Prozent. "Wir konzentrieren uns auf das Kerngeschäft", betonte Kern. Die schwache Konjunktur mache sich aber bei Einbrüchen im Stahl und Montansektor bemerkbar. "Die voest ist die Ausnahme, aber der Stahlsektor leidet erheblich", schilderte der Konzernchef. Trotzdem wolle man auch im Güterverkehr das Ergebnis verbessern: "Und mit dem ersten Quartal gehen wir davon aus, dass das gelingt."

Nettoverschuldung weiter gestiegen
Die Nettoverschuldung des Konzern ist allerdings weiter gestiegen: von 17,25 auf 18,37 Milliarden Euro. Die nicht rückzahlbaren Investitionszuschüsse der Republik Österreich stiegen von 2,23 Milliarden Euro 2011 auf 2,39 Milliarden Euro. Eine Eigenkapitalspritze des Eigentümers, also der Republik, wie in der Vergangenheit oft angeregt, ist derzeit offenbar in der Regierung nicht durchsetzbar - die SPÖ wäre bereit, die ÖVP sperrt sich. "Wir müssen es eben auch ohne diese schaffen", meinte Kern. Von der Politik erhofft er sich im Wahljahr 2013, "dass sie die ÖBB in Ruhe wirtschaften lässt".

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Wirtschaft
26.04.2013 17:10
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung