Auch der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüßte die Einigung: "Die Regeln werden den Exzessen ein Ende setzen und eine bessere Kreditvergabe fördern." Zudem werde der Wettbewerb zwischen den Anbietern gestärkt, so Barnier.
Unter anderem bekommen Kreditnehmer nun die Möglichkeit zu einer vorzeitigen Rückzahlung ihres Darlehens, ohne dafür hohe Entschädigungszahlungen in Kauf nehmen zu müssen - die Details dazu können die Mitgliedstaaten selber festlegen. Außerdem können Anbieter von Baukrediten künftig leichter über die Grenzen hinaus aktiv werden, müssen sich aber registrieren lassen.
Kreditnehmer sollen vor hohen Schulden bewahrt bleiben
Weiters sollen in Zukunft überzogene Versprechen in der Werbung - etwa über den Zins - verboten werden. Ein einheitliches europäisches Informationsblatt soll Käufern eine bessere Vergleichbarkeit der Hypothekenkredite ermöglichen. Kosten aus Krediten in einer fremden Währung oder mit variablen Zinsen müssen ebenfalls deutlich in dem Informationsblatt dargestellt werden.
Wer einen Kredit aufnimmt, soll ein Rücktrittsrecht von sieben Tagen haben. Kann ein Kunde das Darlehen nicht mehr bedienen, soll zu seinen Gunsten eine Lösung gesucht werden, um ihn vor hohen Schulden zu bewahren.
Die Hinterzimmer-Einigung der irischen EU-Ratspräsidentschaft mit Abgeordneten des EU-Parlaments muss nun noch von den EU-Staaten und der Volksvertretung förmlich gebilligt werden. Das soll in den kommenden Wochen geschehen.
Steht nächste Immobilienblase bevor?
Unterdessen könnte sich die nächste Blase auf dem Immobilienmarkt bilden, denn Darlehen sind derzeit günstig: Nie zuvor konnten Immobilienkäufer in Deutschland oder Österreich ihr Eigenheim so günstig finanzieren wie heute. Glücklich ist auch, wer gerade jetzt eine Anschlussfinanzierung braucht. Denn Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit sind derzeit unter 2,5 Prozent zu haben, vor zwei Jahren mussten Kunden noch Effektivzinsen von fast 4,3 Prozent schlucken, vor fünf Jahren lag der durchschnittliche Effektivzins nach Zahlen der FMH-Finanzberatung gar bei 4,95 Prozent.
Doch der günstige Zins hat für Menschen, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen wollen, auch eine Schattenseite. Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf ist überzeugt: "Der Immobilienmarkt dürfte sich in den kommenden Jahren vor allem wegen der niedrigen Zinsen weiter beleben."
Aus Rücksicht auf die Krisenländer werde die EZB ihre expansive Geldpolitik noch lange fortsetzen: "Wir erwarten in den kommenden Jahren einen Anstieg der Immobilienpreise um jährlich drei bis fünf Prozent, gestärkt durch spürbare Reallohnzuwächse, die hohe Beschäftigung und die niedrigen Zinsen."
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