Wifo-Prognose

Zuwanderung für den Schuldenabbau entscheidend

Wirtschaft
17.04.2013 13:43
Die Eindämmung der stark steigenden Gesundheitskosten sowie eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl sind entscheidend für die langfristige Gesundheit der Staatsfinanzen. Das geht aus der von der Regierung in Auftrag gegebenen Budgetprognose des Wirtschaftsforschungsinstituts bis zum Jahr 2050 hervor. Um die österreichsiche Schuldenquote erfolgreich zu reduzieren, müsste die "Kostendynamik im Gesundheitsbereich" gebremst und für eine konstant hohe Zuwanderung gesorgt werden.

Die Modelle für die Prognose bis 2050 basieren auf der Annahme, dass die gegenwärtige Politik die aktuellen demografischen Entwicklungen nicht berücksichtigt und daher unverändert weitergeführt wird. "Die Modelle liefern somit eine Projektion des Status quo und dienen so als Frühwarnsystem", heißt es in der Einleitung der Studie.

Alternde Bevölkerung und sinkender Beschäftigtenanteil
Das Wifo warnt konkret vor zwei Entwicklungen: Einerseits bedeutet die alternde Bevölkerungsstruktur eine höhere Belastung des Pensionssystems, denn damit sinkt der Anteil der Beschäftigten. Beim Rückgang des Arbeitskräftepotenzials wurden mehrere Szenarien durchgerechnet. Im schlimmsten Fall - nämlich bei einem Rückgang der Erwerbstätigen von 4,2 Millionen im Jahr 2012 auf 3,9 Millionen im Jahr 2050 - droht demnach ein starker Anstieg der Staatsschulden ab den 2030er-Jahren auf 93,3 Prozent (derzeit laut Statistik Austria 73,4 Prozent).

Kann die Zahl der Erwerbstätigen durch anhaltend hohe Migration dagegen groß gehalten werden, dann rechnet der Bericht mit entsprechend höherem Wirtschaftswachstum und einem Rückgang der Schuldenquote auf 41,5 Prozent im Jahr 2050. In diesem Szenario wird eine jährliche Netto-Zuwanderung von 39.000 Personen angenommen, im Basiszenario sind es 28.500. Tatsächlich kamen laut Statistik Austria seit 2000 durchschnittlich um 33.302 Personen mehr nach Österreich, als wieder abwanderten.

Geburtenzuwachs verursacht zunächst höhere Kosten
Eine höhere Beschäftigtenzahl mache die Staatsschulden "tragfähiger", erläuterte Stefan Schiman vom Wifo. Eine niedrigere Zuwanderungsrate könnte dem Bericht zufolge auch durch eine stark steigende Geburtenrate nur bedingt ausgeglichen werden. Hier würden in den ersten zehn bis 15 Jahren nämlich zuerst einmal Mehrkosten für Gesundheitsversorgung und Ausbildung der Kinder anfallen, bevor sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt bemerkbar mache.

Teure Medikamente und aufgeblähte Verwaltung als Problem
Die zweite negative Entwicklung betrifft die steigenden Ausgaben im Gesundheitsbereich. Laut Wifo wirkt sich hier aber weniger die Altersstruktur der Bevölkerung negativ aus, sondern es gehe vielmehr um die hohen Kosten für Medikamente, medizinisches Gerät und Doppelgleisigkeiten bei der Verwaltung. "Diese Faktoren spielen im Gesundheitsbereich eine größere Rolle als die Alterung", so Schiman.

Hier sei die jüngste Reform, bei der festgelegt wurde, dass die jährlichen Kostensteigerungen nicht höher ausfallen sollen als das nominelle Wirtschaftswachstum (3,6 Prozent), ein "guter erster Schritt", sagte der Wifo-Experte. "Das muss beibehalten werden." Sollte dieser Kostendämpfungspfad permanent umgesetzt werden, dann rechnet die Studie mit einer Stabilisierung der Gesundheitskosten bei rund sieben Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2050.

Klimawandel und Ressourcenknappheit nicht berücksichtigt
Nicht in die Berechnungen des Wifo mit hineingeflossen sind Faktoren wie der Klimawandel und die Verknappung natürlicher Ressourcen, die ebenfalls beträchtliche Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft sowie auf die öffentlichen Finanzen haben können.

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