FBI hofft auf Tipps

“Irgendjemand weiß, wer das getan hat”

Ausland
17.04.2013 07:48
Nach dem ersten tödlichen Terroranschlag in den USA seit 2001 läuft eine gewaltige Großfahndung. Doch nach den Explosionen an der Marathonstrecke in Boston fehlt von dem Täter oder den Tätern nach wie vor jede Spur. Die Sicherheitsbehörden bitten deshalb um Mithilfe der Bevölkerung: "Irgendjemand weiß, wer das getan hat", sagte Rick DesLauriers von der Bundespolizei FBI am Dienstag.

Die Ermittler hoffen nach ihrem Aufruf auf den entscheidenden Tipp. Konkret suche die Polizei nach Hinweisen zu schwarzen Nylontaschen, in denen die Sprengvorrichtungen wohl an den Ort der Explosionen transportiert worden seien, hieß es am Dienstag.

"Untersuchungen sind noch in der Anfangsphase"
Der FBI-Ermittler DesLauriers präsentierte mehr als 24 Stunden nach der Katastrophe kaum neue Erkenntnisse. "Die Untersuchungen sind noch in der Anfangsphase", sagte er. Die für die Bomben verwendeten Materialien müssten genau im Labor untersucht werden. Es seien Teile von Schnellkochtöpfen gefunden worden. Die Sprengsätze hätten Nägel und Metallkugeln gestreut.

Die Bandbreite möglicher Täter und Motive sei groß, räumte DesLauriers ein. Bisher seien rund 2.000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Mehr als 1.000 Fahnder seien mit dem Fall befasst. Für Hinweise auf die Verantwortlichen hat die Feuerwehr 50.000 Dollar (38.000 Euro) Belohnung ausgesetzt.

Experten vermuten keinen internationalen Terrorakt
Im Fernsehen äußerten Experten erneut die Vermutung, dass es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe. So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze seien klein und nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Sonst hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben.

US-Präsident Barack Obama sprach zwar erstmals ausdrücklich von einem Terrorakt, machte aber klar, keine verlässlichen Hinweise auf den oder die Attentäter zu haben. Der Präsident werde am Donnerstagvormittag den Gedenkgottesdienst in der Heiligkreuzkathedrale in der Ostküstenstadt besuchen, kündigte der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, an. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land wehen bis Samstagabend auf Halbmast.

Hunderte bei ersten Gedenkfeiern für Opfer
Hunderte Menschen haben am Dienstagabend bei kurzfristig organisierten Gedenkfeiern in Boston der Opfer der Bombenanschläge beim Marathonlauf gedacht. Mit US-Fahnen und Plakaten versammelten sie sich an verschiedenen Orten der Stadt, um gemeinsam zu singen und zu trauern. In einem Park nahe der Anschlagstelle zündeten viele Menschen Kerzen an und sangen die amerikanische Nationalhymne (Video in der Infobox).

Bei einer speziell für das jüngste Todesopfer, den achtjährigen Martin Richard (siehe Infobox), organisierten Trauerfeier versammelten sich Hunderte Menschen in einem Park im Vorort Dorchester, wo Richard gewohnt hatte. Gemeinsam sangen sie "God Bless America".

Unterdessen sind nun alle drei Todesopfer des Terroranschlags identifiziert. Neben dem achtjährigen Buben und einer 29 Jahre alten Amerikanerin starb auch eine Studentin aus China.

Die Bomben waren am Montag um 14.50 Uhr Ortszeit in der Nähe der Ziellinie detoniert, die bereits Stunden zuvor von den ersten Läufern überquert worden war. Der Boston-Marathon gehört zu den populärsten Rennen in den USA.

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