Trauer um Martin
Boston: Jüngstes Bombenopfer war erst acht Jahre alt
Während die Ermittler am Dienstag fieberhaft Jagd auf den oder die Verantwortlichen für die Anschläge beim Bostoner Marathon machten, ging das Foto des kleinen Martin um die Welt. Statt den erfolgreichen Marathon-Lauf von Bekannten zu feiern, trauern Familie und Freunde nun um den Jungen, der bei der Detonation einer der beiden Bomben in den Tod gerissen wurde.
Schwester musste Bein amputiert werden
Doch die Familie Richard muss nicht nur mit dem Verlust des Sohnes kämpfen. Martins Mutter Denise liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Frau wurde am Kopf operiert und dürfte vom tragischen Verlust ihres Kindes noch nichts wissen. Damit nicht genug, musste Martins sechsjähriger Schwester nach der Bombenexplosion ein Bein amputiert werden. Das dritte Kind der Familie blieb unverletzt.
Familienvater: "Kämpfen mit Trauer"
"Mein geliebter Martin starb an seinen schweren Verletzungen infolge der Anschläge von Boston", meldete sich Familienvater Bill Richard am Dienstagnachmittag (Ortszeit) erstmals zu Wort. "Wir danken allen für ihr Mitgefühl und ihre Gebete", sagte er. Zugleich bat Richard, die Privatsphäre seiner Familie zu achten: "Wir kämpfen weiterhin mit unserer Trauer."
Bereits am frühen Dienstagmorgen hatten sich Trauernde vor dem Anwesen der Familie im Arbeiterviertel Dorchester (Bilder) versammelt. Auf den Steinstufen des blau-grauen Hauses legten Besucher behutsam Blumen ab. "Frieden" schrieb jemand am Ende der Auffahrt auf den Gehsteig. Ein zehnjähriges Mädchen, das mit Martin zur Schule ging, kam mit seiner Mutter. "Wir sind hierhergekommen, um unseren Respekt zu zollen", sagte die Mutter gegenüber dem TV-Sender CNN. "Meine Tochter war sehr traurig. Er war ein sehr netter Junge."
"Dieser kleine Junge wird nie wieder nach Hause kommen"
"Es ist surreal, es ist tragisch", erklärte indessen Stadträtin Ayanna Pressley dem "Boston Globe". "Die Familie ist sehr beliebt in der Gemeinde", so Pressley, die mit Nachbarn der Richards in einem Restaurant zusammenkam, um gemeinsam zu trauern. "Dieser kleine Junge wird nie wieder nach Hause kommen,'' versteht Nachbar Dan Aguilar die Welt nicht mehr. "Es ist immer noch unwirklich. Ich habe keine Worte. Ich habe keine Worte.''
Zahlreiche Menschen legten am Dienstag auch Blumen in der Nähe des Tatorts nieder. Viele Teilnehmer des Marathons kamen in ihrer offiziellen blau-gelben Laufkleidung, um der Opfer und ihrer Angehörigen zu gedenken. Neben den drei Toten wurden laut jüngsten Meldungen mehr als 170 Menschen bei der Explosion der beiden Bomben verletzt - ihre Geschichten werden von US-Medien Stück für Stück zusammengefügt.
Brüder verlieren beide ein Bein
Unfassbar etwa das Schicksal zweier Brüder, 31 und 33 Jahre alt. Sie waren als Zuseher beim Marathon - um einen Freund anzufeuern, wie der "Boston Globe" berichtete. Beide Männer verloren bei dem Anschlag ein Bein. Sie dürften nicht weit entfernt von Martin Richard gestanden sein, als die Bombe hochging.
"Nicht einmal in meinen wildesten Träumen hätte ich gedacht, dass so etwas jemals passieren könnte", sagte die am Boden zerstörte Mutter der Geschwister, Liz Norden, der Zeitung. "Ich fühle mich krank", so die Frau zu den Reportern. Jener Freund, dem ihre Söhne beim Marathon zujubelten, leistete Norden Beistand, als sie am Montagabend vor der Notaufnahme darauf wartete, endlich zu ihren Söhne gelassen zu werden.
Alle Todesopfer identifiziert
Noch am Dienstag wurde dann die Identität des zweiten Todesopfers bekannt. Wie CNN und NBC übereinstimmend meldeten, kam neben dem achtjährigen Martin Richard, die 29-jährige Krystle Campbell bei dem Anschlag ums Leben. Wie die Großmutter der jungen Frau, Lillian Campbell, gegenüber dem "Boston Globe" erklärte, stand ihre Enkelin gemeinsam mit einer Freundin im Zieleinlauf des Marathons als die Bombe detonierte. "Sie war eine fröhliche, offene Person. Alle ihre Freunde liebten sie. Krystles Tod ist ein schwerer Verlust für die Familie", so die geschockte Großmutter. Die Freundin der 29-Jährigen, die im Mai ihren 30er gefeiert hätte, sei demnach bei der Explosion schwer verletzt worden.
Beim dritten Todesopfer handelt es sich um eine Studentin aus China, wie in der Nacht auf Mittwoch bekannt wurde. Die junge Frau besuchte die Boston University, teilte das Generalkonsulat der Volksrepublik in New York mit. Ihre Familie habe um Anonymität gebeten. Eine weitere Chinesin, die Freundin des Todesopfers, sei bei der Explosion verletzt worden und befinde sich nach zwei Operationen mittlerweile in stabiler gesundheitlicher Verfassung.
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