Anhand zweier Fingerabdrücke plus einer DNA-Spur wurde ein Vorbestrafter aus Niederösterreich ausgeforscht und verurteilt: „Ich bin hier nur der Sündenbock! Wie soll ich eine Bombe basteln können? Ich habe ja nicht einmal einen Hauptschulabschluss.“
Am 4. März dieses Jahres hatte eine junge Eisenstädterin ein Erlebnis der besonderen Art. Nachdem sie ausgeparkt hatte, bemerkte sie, dass beim linken Vorderreifen etwas blockiert. Sie stieg aus und fand einen schwarzen Müllsack, der sich bei näherer Betrachtung als Bombe herausstellte:
Monster 100
Zwei Ein-Liter-Colaflaschen, gefüllt mit Diesel und Seifenflocken, eine Gaskartusche, ein paar Kracher, die „Monster 100“ heißen und bei uns verboten sind sowie Zündschnüre.
„Ein Kinderspielzeug ist das nimmer“, sagt der ermittelnde Sprengstoffsachverständige beim Prozess in Eisenstadt. „Gerät so etwas in Brand, wirkt das wie Napalm. Das kann letal sein!“
Warum der Mann hier sein muss
Wegen gefährlicher Drohung angeklagt ist ein 22-jähriger Niederösterreicher, der ohne Anwalt erscheint. „Eigentlich weiß ich nicht, warum ich hier sein muss“, sagt der Beschäftigungslose, der bei der Mama wohnt und „hoffentlich eh bald“ zum ersten Mal im Leben etwas arbeiten wird. „Ich habe diese Frau noch nie gesehen. Ich kenne sie nicht. Und das letzte Mal in Eisenstadt war ich vor fünf Jahren.“
Gemeiner Müll-Diebstahl?
Wie bitteschön kommen dann die Fingerabdrücke des Amtsbekannten auf die Innenseite des Klebebandes und auf eine der Flaschen? Warum wurde seine DNA auf der Außenseite des Sackerls sichergestellt? „Vielleicht hat jemand etwas aus meinem Müll genommen“, sagt der Mann, der „eigentlich nie“ so große Glasflaschen kauft. Und überhaupt: „Wie soll ich eine Bombe basteln können? Ich habe ja nicht einmal einen Hauptschulabschluss.“
Schmutzige Finger?
Die junge Frau mutmaßt, dass ihr Ex-Freund etwas mit der Sache zu tun haben könnte. „Der hatte mir gedroht. Aber er macht sich sicher nicht selber die Finger schmutzig. Schon komisch, dass beide aus der selben Stadt kommen, oder?“ Der Angeklagte kennt diesen Ex, man grüße einander, mehr nicht. „Ich bin Türke“, sagt der gebürtige Österreicher. „Mit Kurden habe ich nichts zu tun. Außerdem: Warum sollte der mich nehmen? Es gibt Bessere.“ Und: „Ich kann das nicht gestehen, sonst müsste ich lügen.“
Für die Richterin ist „die Beweislage eindeutig, dass Sie beim Bau der Bombe beteiligt waren“ – 10 Monate bedingte Haft auf 3 Jahre und Bewährungshilfe. Nicht rechtskräftig.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.