Zugegeben, ein echtes Aufbauspiel ist "Cities in Motion 2" nicht. Tatsächlich findet der Spieler beim Betreten der Spielfelder, auf denen er ein florierendes Öffi-System errichten soll, nämlich schon eine Stadt vor und darf selber auch nur in recht geringem Umfang Veränderungen daran vornehmen. Wer aus dem Nichts eine Stadt errichten möchte, ist hier fehl am Platz.
Wer aber die Absicht hegt, zumindest virtuell einmal das zu schaffen, was er täglich vehement von den Wiener Linien fordert, für den ist dieses Spiel goldrichtig. Story? Fehlanzeige. Wie bei allen Aufbauspielen der letzten Zeit verzichtet auch "Cities in Motion 2" auf den Luxus einer Handlung und setzt den Spieler ohne weiteren Kommentar auf den Chefsessel des städtischen Verkehrsbetriebes.
Eher einfallslose Aufträge in großen Metropolen
Die Aufträge, die er dabei zu erfüllen hat, sind großteils einfallslos und funktionieren nach dem Schema "Befördern Sie mit der Straßenbahn 300 Fahrgäste in einer gewissen Zeit" oder "Verbinden Sie Stadtteil A mithilfe einer Fähre mit Stadtteil B". Wer auf eine solche Beschäftigungstherapie verzichten kann, startet lieber gleich im Sandkastenmodus ein Endlosspiel, bei dem er freie Hand hat.
Die Stadt – tatsächlich sind es mehrere Städte, die der Spieler im Verlauf der Kampagne oder im Endlosspiel mit Verkehrsinfrastruktur beglückt – hat es in sich. Im Vergleich zu den mickrigen "SimCity"-Städtchen verdienen die "Cities in Motion 2"-Städte schon eher die Bezeichnung Metropole. Oft erstrecken sie sich über mehrere Inseln, sind mit Brücken verbunden und in den Innenstädten stehen stattliche Wolkenkratzer.
Den Städten fehlt es an Wiedererkennungswert
Schade ist, dass im Gegensatz zum ersten "Cities in Motion" keine echten Städte mehr für den öffentlichen Verkehr erschlossen werden dürfen. Konnte man im ersten Teil noch Wien, Berlin und andere Metropolen bebauen und sich an den dortigen Sehenswürdigkeiten erfreuen, sind es nunmehr anonyme Großstädte im US-Stil, die alle irgendwie austauschbar sind. Immerhin: Der Wusel-Faktor stimmt, zoomt man in die Häuserschluchten, so erblickt man allerorts Menschen, die ihrem Alltag nachgehen.
Auch die historische Entwicklung – im Vorgänger begleitete der Spieler seine Stadt noch über Jahrzehnte und konnte dabei auf die Öffis der jeweiligen Epoche zurückgreifen – wurde gestrichen. Jetzt stehen dem Spieler von Anfang an Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, Oberleitungsbusse und Fähren verschiedener Bauarten zur Verfügung. Die Fahrzeugauswahl fällt dabei im Vergleich zum Vorgänger recht mager aus.
Fahrpläne, Intervalle, Wartungszeiten – alles einstellbar
Beim Gameplay leistet sich das Spiel leider ebenfalls den einen oder anderen Schnitzer, überzeugt jedoch gleichzeitig durch eine enorme Vielfalt an Einstellungsmöglichkeiten. Fahrpläne können für jeden Tag der Woche gesondert geplant werden und müssen an die Gewohnheiten der Bewohner angepasst werden. Während an Wochentagen die Menschen früh morgens zur Arbeit strömen, wollen sie am Wochenende ausschlafen und im Laufe des Vormittags zu Parks, Stadien und sonstigen Freizeiteinrichtungen gekarrt werden.
Die Intervalle, in denen die Öffis verkehren, die Anzahl der auf einer Strecke eingesetzten Garnituren und die Wartungsintervalle darf der Spieler selbst bestimmen. Für Fans des Optimierens und Feintunings hat "Cities in Motion 2" immer eine Aufgabe parat. Dass das alles in recht schmucklosen Menüs (siehe Screenshots) stattfindet, die zudem noch ziemlich überladen wirken, macht den Einstieg in die Verkehrssimulation schwer.
Schwer ist auch der Bau der einzelnen Öffi-Strecken. Während Buslinien noch sehr einfach zu errichten sind – rasch ein Depot und einige Haltestellen gebaut, Busse zugewiesen und schon läuft es rund, gestaltet sich der Bau der sonstigen Verkehrsmittel oft ausgesprochen fummelig. U-Bahnen, die in "Cities in Motion 2" auch als Hochbahnen à la U6 ausgeführt werden dürfen, sind dabei ein besonderes Ärgernis. Will man sie verlängern, gleicht es einem Glücksspiel, mit dem Auswahl-Tool die Tiefe, in der sich die U-Bahn befinden sollte, zu erraten. Hat man sie nicht korrekt eingestellt, sind wiederum die Gleise unerreichbar.
Streckenbau wird schnell zur Sisyphosarbeit
Von den Ärgernissen, die beim Bau von Oberleitungsbus- und Straßenbahnstrecken auftreten, ganz zu schweigen. Hier muss der Spieler nämlich über die gesamte Strecke von Hand das Oberleitungs- oder Schienennetz bereitstellen, anschließend noch Haltestellen verteilen und zu guter Letzt Fahrzeuge zuweisen. Besonders der Bau des Schienennetzes gestaltet sich dabei in den Häuserschluchten extrem fummelig. Dass die Schienen und Oberleitungen immer nur bis zur nächsten Kreuzung verlegt werden dürfen, sorgt für viele unnötige Klicks.
Unnötige Arbeit machen übrigens auch die Fähren, die offenbar keine Kurven kennen, und deshalb immer nur gerade von Anlegestelle zu Anlegestelle fahren. Befindet sich ein Hindernis – beispielsweise eine Landzunge – im Weg, muss der Spieler diese von Hand umfahren lassen. Solche Patzer bei der Wegfindung sollte es im Jahr 2013 eigentlich nicht mehr geben.
Neue Straßen lassen die Städte wachsen
Nett: Die vorgefertigten Städte bleiben nicht während der ganzen Partie gleich, der Spieler darf am Stadtrand und auch in der Innenstadt neue Straßen errichten, an denen sich nach dem Bau neue Gebäude ansiedeln. Wirklichen Einfluss auf die Stadtentwicklung hat man – abseits der Öffi-Verbindungen – aber nicht, fernab der Depots und Haltestellen darf der Spieler keine eigenen Gebäude errichten.
Die grafische Umsetzung ist recht hübsch geworden, wenngleich die Städte etwas generisch wirken. Die Sehenswürdigkeiten aus dem Vorgänger – da konnte man beispielsweise den Wiener Prater bewundern – würden auch "Cities in Motion 2" gut zu Gesicht stehen. Davon abgesehen ist die 3D-Grafik jedoch hübsch und in Anbetracht der großen Städte auch vergleichsweise ressourcenschonend. In unserem Test auf einem schon etwas betagteren Core-i5-System lief alles tadellos - auch bei großen Städten. Beim Sound langweilt "Cities in Motion 2" den Spieler mitunter mit eintönigen Liedern, die Verkehrsgeräusche selbst sind dafür recht gut gelungen.
Frustrierende Steuerung mit großem Fummelfaktor
Das größte Ärgernis, das uns im Test von "Cities in Motion 2" aufgefallen ist, ist zweifelsohne die extrem fummelige Steuerung. Die gestaltet sich – nicht nur beim Verlegen von Schienen, U-Bahn-Röhren oder Oberleitungen – extrem mühsam und wirkt insgesamt nicht sonderlich durchdacht.
Wenn der Spieler seine Schienen, die im Übrigen nur dann wirklich gut zu sehen sind, wenn man sehr nahe heranzoomt, selbst auf geraden Strecken immer nur bis zur nächsten Ampel verlegen darf und Schiffe wegen KI-Patzern von Hand an Landzungen vorbei geführt werden müssen, dann entsteht der Eindruck, dass etwas mehr Entwicklungszeit und Feintuning an der Steuerung dem Spiel ganz gutgetan hätten.
Fazit: "Cities in Motion 2" ist ein mittelprächtiger Aufbautitel, der ruhig mehr Stärken aus dem Vorgänger – etwa die Städte mit echten Vorbildern oder den sich im historischen Verlauf des Spiels verändernden Fuhrpark – übernehmen hätte können. Die Umsetzung ist – bis auf die Steuerung – solide, aber nicht überragend. Der große Wurf für Aufbau-Fans ist auch "Cities in Motion 2" nicht geworden, für einige Stunden Spielspaß taugt es aber dennoch. Für Genre-Fans und frustrierte Aufbaustrategen, die neues Futter ohne Online-Zwang oder massive Bug-Probleme suchen, bietet es sich als Zwischenmahlzeit durchaus an. Zum Hauptgericht hätte es aber mehr Feintuning und eine liebevollere Umsetzung gebraucht.
Plattform: PC
Publisher: Paradox Interactive
krone.at-Wertung: 6/10
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