Zur Schein-Wiedereröffnung verspielt man am Theater an der Wien Mozarts „Idomeneo“ konzertant. Auch sonst hätten dem umgebauten und sanierten Haus ein paar Stress-Tests mehr vor der Eröffnung durchaus gutgetan.
Endlich ist das Opernhaus der Stadt Wien in Balkonien angekommen! Auf Bleistiftsäulen hat das Theater an der Wien eine Terrasse über einem banalen Entrée bekommen.
Und im Eingangsbereich empfängt das Publikum ab sofort ein schwarzes Loch an Treppe. Die muss man, so wie am Flughafen Wien, hinab, um aufs WC zu gelangen. Sie führt auch ins Obergeschoss. So wie ein Nirosta-Aufzug, der einen im jetzt großzügigeren Foyer ordinär anfunkelt.
Ästhetisch fühlt man sich irgendwie irgendwo zwischen Raimundtheater, Theater Akzent und Urania. Oben sind auch neue Buffets, die den ersten Stress-Test grandios nicht bestanden haben. Wie die Garderoben bei Schlechtwetter funktionieren, wird dann der Jänner zeigen.
Zur Erinnerung: Aufgrund spontaner Verzögerungen mussten alle szenischen Aufführungen in diesem Jahr abgesagt werden. Erst am 18. Jänner geht der Vorhang für die Johann Strauss-Rarität „Das Spitzentuch der Königin“ tatsächlich auf. Der als erste Premiere geplante „Idomeneo“ musste jetzt als konzertantes Eröffnungsspektakel herhalten.
Zum Glück nur einmal. Denn die Aufführung schloss auch nicht nur annähernd an einen der glorreichen Mozart-Momente an, die das Haus bis dato erlebt hat, vom legendärem Nachkriegs-Mozart bis zu Sternstunden unter Muti, Harnoncourt, Jacobs & Co.
Jetzt plärrt eine Sängerriege an der Rampe ins Teppich befreite Auditorium. Die aus dem Staatsopernensemble bestens bekannte, kurzfristigst eingesprungene Slávka Zámečníková ragt mit ihrer Ilia als wohlklingender Solitär heraus, während die Elettra von Elena Tsallagova Mozarts sanfte Winde („Soavi zeffiri“) als harte Brisen serviert, aber mit hysterisch outrierter Furienanrufung beim Publikum punktet.
Weit entfernt von einem stilistisch annehmbaren Idamante ist die schneidend schrille und manchmal merkbar scheppernde Emily Sierra. Der kehlig blasse Attilio Glaser singt mangels Geläufigkeit natürlich die einfachere Wiener Fassung von Idomeneos „Fuor del mar“-Arie. Den Arbace und den Hohepriester presst sich Ya-Chung Huang aus seiner Tenorstimme.
Hinter den Sängern sitzen akustisch sehr ungünstig die nicht immer präzise spielenden Wiener Symphoniker. Vor ihnen und dennoch mit dem Rücken zu den Sängern hampelt und hetzt Dirigent David Bates durch die Partitur und kann sich zwischen historisch informiert und seltsam konturlos nicht entscheiden.
Bleibt als sichere Qualitätsbank wieder einmal der wunderbare Arnold Schoenberg Chor. In jedem Fall beruhigend: Ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen!
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