Sabotage erwartet

Türkei: Anschläge vor angekündigter Einigung mit PKK

Ausland
20.03.2013 14:15
Kurz vor dem erwarteten Aufruf zu einem Waffenstillstand der Kurden-Partei PKK am Donnerstag haben Unbekannte mehrere Sprengstoffanschläge gegen türkische Regierungseinrichtungen ausgeführt. Der stellvertretende Ministerpräsident Bulent Arinc verdächtigte am Mittwoch im Untergrund tätige Gruppen, die eine Verständigung von PKK und türkischer Regierung verhindern wollen.

In Istanbul explodierte am Mittwoch in der Nähe eines Behördenbüros ein Sprengsatz, wie der Fernsehsender NTV auf seiner Internetseite berichtete. Zudem entschärfte die Polizei im selben Stadtbezirk Sprengkörper, die sich vor einem Kulturzentrum befanden.

Bereits am Dienstag war es kurz vor 21 Uhr Ortszeit in der Hauptstadt Ankara vor dem Justizministerium zu zwei Explosionen gekommen. Nach Angaben von Justizminister Sadullah Ergin wurde dabei die Frau eines Justizangestellten leicht verletzt.

Justizminister: "Land befindet sich in wichtiger Phase"
Außerdem wurde die wenige Kilometer davon entfernte Zentrale der Regierungspartei AKP von einem Granatwerfer-Geschoß getroffen. Der Anschlag zerstörte Fensterscheiben im siebenten Stock des Gebäudes, in dem auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (Bild) ein Büro hat. Der Regierungschef hatte Ankara aber bereits zuvor zum einem Staatsbesuch in Dänemark verlassen.

Über mögliche Drahtzieher äußerte sich Erdogans Stellvertreter zunächst nicht. Er sagte lediglich, das Land befinde sich in einer "wichtigen Phase", deshalb sei mit Sabotageakten zu rechnen. Zum einen will der kurdische Rebellenchef Abdullah Öcalan seine PKK am Donnerstag zu einem einseitigen Waffenstillstand aufrufen und so den Weg für ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts ebnen, bei dem in der Türkei mehr als 40.000 Menschen getötet wurden (siehe Infobox).

Prozesse gegen mutmaßliche Putschisten in der Armee
Zum anderen gehen die Massenprozesse gegen Armeeangehörige wegen angeblicher Putschpläne gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan weiter. Am Montag hatte ein Staatsanwalt in Istanbul lebenslange Haftstrafen für 64 Angeklagte gefordert, darunter zehn ehemalige und aktive Generäle.

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