Während die roten Hochburgen zum Einsturz gebracht wurden, bauen die Freiheitlichen mit Darmann und einem fulminanten Ergebnis eine neue Bastion in ganz Kärnten auf. Ein Abend zwischen grenzenlosen Freudentaumel und Trauermienen ...
Der Schmerz sitzt tief – vor allem bei SP-Landeshauptmann Peter Kaiser. Am Sonntagmorgen ist er noch in seinem roten Kärnten aufgewacht; nur wenige Stunden später muss er das Land den Freiheitlichen überlassen und für die Kärntner Sozialdemokraten das schlechteste Nationalratswahlergebnis einstecken. Auch dass er sich nach der ersten Hochrechnung wortkarg zurückzieht, spricht Bände. Und vor allem, dass selbst das tiefrote Villach blau eingefärbt wurde. Aber auch andere Hochburgen musste die SPÖ abgeben. Und noch viel mehr muss es für Kaiser schmerzen, dass mit dem Wahlergebnis auch seine Nachhaltigkeitskoalition abgestraft wurde.
Künstliches Lächeln und große Siegesfreuden
Während dem roten Schwergewicht die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben ist, wirkt der Koalitionspartner ÖVP zweckoptimistisch. Chef Martin Gruber und sein Spitzenkandidat Gabriel Obernosterer versuchen, den Frust wegzulächeln, wo es eigentlich wenig zum Lachen gibt. Denn immerhin sind sie für das desaströseste Ergebnis in den Bundesländern mitverantwortlich.
Und sie müssen auch um zwei ihrer Nationalräte bangen. Während Obernosterer und Klagenfurts Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher-Pichler mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Hohe Haus einziehen werden, gibt es für Peter Weidinger und Johann Weber wenig Chancen auf ein Mandat.



Der blaue Erfolgszug rollt weiter
Jubel, Trubel und Heiterkeit herrscht hingegen bei den Freiheitlichen. Ihre Kritik an der „Systempolitik“ und die Querschüsse gegen die Kärntner Regierung dürften Früchte getragen haben. Zwar sind im Laufe der Auszählung die Prozentpunkte wieder etwas gesunken, aber FP-Chef Erwin Angerer ist es mit seinem Spitzenkandidaten Gernot Darmann und den Funktionären gelungen, was sich niemand gedacht hätte: Sie holten das beste Bundeslandergebnis für die FPÖ. Da ist verständlich, dass die „Haider-Erben“ mit breiter Brust nach Wien fahren werden. Sollte es den Freiheitlichen gelingen, eine Regierung zu bilden, dann wird mit Sicherheit auch ein hoher Posten für die Kärntner FPÖ drinnen sein.

Wenig Interesse an der Basis gezeigt haben die Kärntner Grünen und die Neos. Denn deren Spitzenkandidaten Olga Voglauer und Janos Juvan wollten am Wahlabend lieber Wiener Luft schnuppern. Oder war es doch die Flucht vor der Realität und den Wahlergebnissen?
Denn auch sie müssen sich die Wunden nach dem blauen Wunder und der verfehlten Wahlziele lecken.
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