In letzter Minute

Banken lassen Schulden nach: Alpine gerettet

Wirtschaft
04.03.2013 06:59
Die Zukunft des zweitgrößten österreichischen Baukonzerns Alpine scheint vorerst gesichert. Am Sonntagabend haben sich die rund 50 Gläubigerbanken und die Republik, die über Kredithaftungen involviert ist, nach tagelangen Verhandlungen auf eine Lösung geeinigt. Demnach stimmen die Banken einem Forderungsverzicht zu, der eine entscheidende Voraussetzung für die Sanierung des Unternehmens sei, teilte das Unternehmen mit. Der Bund bzw. Steuerzahler verliert dabei nichts. Die Haftungen im Ausmaß von 150 Millionen Euro bleiben aufrecht.

Die Einigung kam buchstäblich in letzter Minute, denn am Montag wäre der Konzern Involvierten zufolge de facto zahlungsunfähig gewesen. In der Nacht auf Freitag war ein Stillhalteabkommen der Banken abgelaufen.

Rund 50 Gläubiger betroffen
Die Alpine, die zum spanischen FCC-Konzern gehört, hat im Gefolge einer aggressiven Expansion in Osteuropa Verbindlichkeiten in Höhe von rund 600 Millionen Euro angehäuft. Etwa 50 Gläubiger sind betroffen. Sie sollen dem Unternehmen laut Sanierungskonzept rund 30 Prozent der Schulden nachlassen. Der formelle Abschluss der Restrukturierungsvereinbarung wird "für die nächsten Tage erwartet", hieß es seitens der Alpine. Dies werde von den Gläubigern "bereits mit überwältigender Mehrheit unterstützt und ist durch Stillhaltezusagen abgesichert". Die Banken stellen ihre Kredite bis dahin also nicht fällig.

Die Gläubiger - die Verhandlungen wurden von Bank Austria und Erste Bank geführt - hatten sich bereits vor ein paar Tagen auf einen Schuldennachlass verständigt. Am letzten Tag des Moratoriums stimmten dem Vernehmen nach auch der französische Kreditversicherer Coface und die selbst strudelnde spanische Bankia zu.

Haftungen des Bundes bleiben aufrecht
Gespießt hat es sich bis zuletzt an den Haftungen des Bundes, die von der Kontrollbank abgewickelt werden. Die Republik steht nach dem Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz für zwei Konsortialkredite österreichsicher Institute in Höhe von 300 Millionen Euro im Ausmaß von 50 Prozent gerade. Die Gläubigerbanken wollten den Bund dazu bewegen, auf 45 Millionen Euro zu verzichten.

Die Finanzprokuratur, die Anwältin der Republik, hatte aber darauf beharrt, dass ein Verzicht rechtlich nicht möglich sei. Sie konnte sich mit ihrer Position letztendlich auch durchsetzen: Der Steuerzahler muss für die Alpine kein Geld in die Hand nehmen, zusätzliche Haftungen gibt es nicht, wie es hieß. Die Haftungen laufen Ende 2014 aus. Dass der Bund nicht eingelenkt hat, bedeutet für die Banken eine theoretische Mehrbelastung von 90 Millionen Euro.

7.500 Beschäftigte in Österreich
Mit der nunmehrigen Einigung kann die Alpine vorerst weitermachen. "Die Zahlungsfähigkeit der Alpine-Gruppe ist gegeben", hieß es. Das Sanierungskonzept sieht vor, dass der Konzern ab 2015 wieder schwarze Zahlen schreibt. Damit das gelingt, muss - neben dem Schuldennachlass - die spanische Konzernmutter FCC insgesamt knapp 250 Millionen Euro in das Unternehmen einschießen. Weiters sollen über den Verkauf der Tochtergesellschaften Alpine Energie, Hazet Bau und GPS Underground Engineering rund 200 Millionen Euro hereinkommen. Der Alpine-Konzern beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 7.500 in Österreich.

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