Forscher lösen Rätsel

Mega-Tsunami ließ 2023 tagelang Erdkruste zittern

Wissen
16.09.2024 15:55

Im September vor einem Jahr haben Erdbebenmessgeräte auf aller Welt bis zu neun Tage ein seismisches Signal empfangen, das die Wissenschaft vor ein Rätsel gestellt hat. Jetzt hat ein internationales Forscherteam die Quelle für die Schwingungen ausgemacht.

„Im September 2023 entdeckten wir ein Signal, das global zu erkennen war“, sagt Thomas Forbriger vom Geophysikalischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der mit zahlreichen anderen Forschern das mysteriöse Signal untersuchte. „Es sah völlig anders aus als ein Erdbeben. Das Signal war eine Schwingung mit einer einzigen dominierenden Frequenz, wie ein monotones Brummen, das sehr langsam abklingt.“

Wellen schwappten im Fjord hin und her
Wie sich herausstellte, hat der Einsturz eines Berggipfels, der sich zuvor 1200 Meter über dem Fjord erhob, einen massiven Erdrutsch im Dickson-Fjord auf Grönland verursacht. Dieser löste einen gewaltigen Tsunami aus, der mit einer Periode von circa 90 Sekunden neun Tage lang quer im engen Fjord hin- und herschwappte. Die anfangs bis zu 110 Meter hohe Welle erstreckte sich über zehn Kilometer und schrumpfte in nur wenigen Minuten auf „nur“ sieben Meter.

„Das Volumen des herabstürzenden Materials war enorm – mehr als 25 Millionen Kubikmeter. Das ist genug, um 10.000 olympische Schwimmbecken zu füllen“, erläutert Kristian Svennevig vom Geologischen Dienst von Dänemark und Grönland (GEUS), der die Untersuchungen koordiniert hat.

Wellen liefen um den ganzen Erdball
Die Bewegungen der großen Wassermasse erzeugten seismische Wellen, die an den Messstationen über neun Tage lang messbar waren. Die Wellen liefen um den Erdball und waren sogar bis in die Antarktis in fast 20.000 Kilometern Entfernung beobachtbar.

Der Studie zufolge war der durch den Einsturz des Berggipfels ausgelöste Tsunami einer der höchsten in der jüngeren Geschichte. Außerhalb des Fjords beschädigten vier Meter Wellen eine Forschungsbasis auf der 70 Kilometer entfernten Insel Ella und zerstörten kulturelle sowie archäologische Stätten im gesamten Fjordsystem.

Gletscher durch Klimawandel ausgedünnt
Die Forscher untersuchten auch, wie es zu dem massiven Erdrutsch kommen konnte. Auf Satellitenbildern konnten sie erkennen, dass sich der Gletscher am Fuß des Berges in den vergangenen Jahrzehnten stark ausgedünnt hat. Der Erdrutsch und der Tsunami seien zudem die ersten, die in Nordost-Grönland beobachtet wurden. Die Wissenschaft führen das Ereignis auf den Klimawandel zurück. Es zeige, dass sich dieser auch dort bereits stark auswirkt.

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