Bericht deckt auf:

Entführungen in Mexiko auch durch Polizei und Militär

Ausland
21.02.2013 11:56
Was Angehörige von in Mexiko vermissten Personen, die in den allermeisten Fällen verschwunden bleiben oder ermordet aufgefunden werden, seit Langem anprangern, belegt nun ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch: Polizei und Militär sind demnach in viele Entführungen verstrickt. Zudem würden die Behörden zu spät reagieren und die Fälle nicht ausführlich genug verfolgen, so die Vorwürfe.

249 Fälle von vermissten Personen seit Dezember 2006 hat Human Rights Watch im Bericht "Mexico's Disappeared" (Mexikos Verschwundene) exemplarisch untersucht, der am Mittwoch präsentiert wurde. Insgesamt forderte der Drogenkrieg im Land in den letzten sechs Jahren nicht nur über 100.000 Tote, sondern auch mehr als 25.000 Vermisste (siehe Infobox).

Beamte mit Drogenmafia unter einer Decke
In 149 der 250 untersuchten Fälle seien staatliche Sicherheitskräfte in die Entführung verwickelt gewesen, so Human Rights Watch. Polizei und Militär hätten bei einigen Taten aktiv mitgeholfen, bei anderen die Drogenmafia unterstützt oder die Vorkommnisse stillschweigend geduldet. In den anderen Fällen seien die Beweise nicht eindeutig, eine Beteiligung der Sicherheitskräfte könne aber auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Entführungen durch Uniformierte
Meist hätten sich die Entführungen ähnlich abgespielt, wenn Sicherheitskräfte involviert waren, berichtet die Organisation: Polizisten oder Soldaten in Uniform nahmen demnach einzelne Personen ohne Haftbefehl und guten Grund fest - oft zu Hause, vor den Augen der Familie, aber auch bei Checkpoints, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Gebäuden. Bei Nachfragen der Angehörigen sei erklärt worden, dass die Verhaftung nie stattgefunden habe.

Behörden zu langsam und zu schlampig
Meist würden die Entführten dann an die Drogenmafia übergeben. Die Familien der Opfer würden unter Druck gesetzt, in manchen Fällen auch erpresst. Genauso schlimm für die Betroffenen: In fast allen Fällen hätten die Behörden zu langsam reagiert und die Suche nach den Opfern sowie die Ermittlungen nicht sorgfältig durchgeführt.

Viel zu oft sei - wegen angeblicher illegaler Aktivitäten - die Schuld den Opfern zugeschoben und den Angehörigen erklärt worden, sie müssten selbst nach dem Verschwundenen suchen. Und selbst die wenige Ermittlungsarbeit, die stattfinde, werde durch Fehler und Verzögerungen untergraben. Dazu kämen strukturelle Probleme wie Gesetzeslücken und das Fehlen einer nationalen Datenbank für Vermisstenfälle.

Familien leiden jahrelang psychisch und finanziell
Von den Behörden alleingelassen, sei die Angst um die Entführungsopfer für die Angehörigen eine "immerwährende Qual", so Human Rights Watch. Viele würden auf eigene Faust nach ihren Familienmitgliedern suchen. Verschlimmert werde die Situation, wenn staatliche Hilfe wie Gesundheitsversorgung und Kindergeld verloren gehen, weil sie an den Job des Verschwundenen geknüpft waren. So würden viele in einen finanziell wie emotional auslaugenden Kampf gegen die Behörden gezwungen.

Hoffnung mit neuer Strategie
Immerhin, eine Änderung der Situation sei nicht unmöglich, so Human Rights Watch unter Hinweis auf den Bundesstaat Nuevo Leon. Dort hätten Beamte und Staatsanwälte angefangen, Vermisstenfälle akribisch zu bearbeiten, und so das Vertrauen der Angehörigen zurückerobert. Diese würden wichtige Informationen und Beweise liefern. Zwar gebe es noch wenige Erfolge nachzuweisen, doch der Ansatz in Nuevo Leon sei der richtige.

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