Mo, 20. August 2018

Bombe fäääälllllttt!

06.09.2005 14:39

Schweizer holt Arschbomben-WM-Titel

Ein Riesenknall zerreißt die Stille im Freibad Neckarhalde in Heilbronn. Kevin Jung treibt reglos im Wasser, das Gesicht schmerzverzogen. "Ohhh", stöhnt er und reibt sich sein Hinterteil. Tosender Applaus aus dem Publikum. Um den 16-Jährigen aus Dillingen im Saarland herum platschen weitere Menschenkörper wie Päckchen zusammengeschnürt ins Schwimmbecken - Arsch voraus. Schließlich kämpfen hier vor mehr als 1000 Zuschauern alle um den Titel des weltbesten Arschbombers. Den holte sich schließlich ein Schweizer!

Aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden sind die Nationalmannschaften angereist. Im Finale mussten die Deutschen ihren Titel aus dem vergangenen Jahr aber abgeben: Die Schweizer haben den Mann mit dem härtesten Hintern. Simon Gfeller aus Münsingen überzeugt die Jury mit einer vierfachen Schraube in die Kartoffel (Bombe kopfüber). Den Schmerz in seinem Gesicht hatte er tapfer unterdrückt. Ein Pluspunkt bei den Richtern.

Bombe vom Zehner-Turm
Der Wettkampf ist nur etwas für harte Kerle, erfordert Mut und Durchhaltevermögen. Vom Zehn-Meter-Turm müssen alle Athleten die Bombe in verschiedenen Variationen zeigen: Zuerst die klassische Arschbombe und zwei mal eine andere Version - wahlweise mit Schrauben und Salti. Je lauter es knallt, je weiter es spritzt und je straffer der Körper beim Einschlag ins Wasser, desto höher die Punktzahl. "Der Arsch muss es am Ende aushalten, aber der Kopf lenkt den Sprung", erklärt Oberkampfrichter Uwe Schlicker.

Ex-Weltmeister schwer gezeichnet
Christian "Elvis" Guth aus Bayreuth hat das "offene Brett" (sitzend mit gestreckten offenen Beinen) bei der ersten WM im vergangenen Jahr in Bayreuth perfektioniert. Doch heute ist der Ex- Weltmeister am letzten Sprung gescheitert - einem Rückwärtssalto mit zweieinhalbfacher Schraube in das offene Brett. "Überdreht", sagt der 21-Jährige kopfschüttelnd, als er sich aus dem Wasser zieht. An seinen Waden ist ein knallroter Abdruck.

"Weniger Schmerz als beim Boxen"
"Die Jungs hier sind Freaks", erklärt WM-Erfinder Oliver Schill. "Arschbomben ist eine Extremsportart." Er legt Wert darauf, dass dies ein ernsthafter und offizieller Wettkampf ist. "Wir haben einen Schwimmbadspaß aufgegriffen und dann Regeln aufgestellt." Der 36- Jährige ist selbst Hobby-Bomber, der Schmerz beim Einschlag hat ihn nie geschreckt. "Das tut weniger weh als beim Boxen", bemerkt er und zuckt mit den Schultern. Dennoch schleppen sich einige Springer aus dem Becken und lassen sich in eine kleine Wanne mit warmen Wasser gleiten. "Gegen die Krämpfe, aber sonst alles geil", meint einer.

Begeistert ist auch Helmut Hünerfauth, Ex-Trainer der baden- württembergischen Kunstspringer. "Die Arschbombe ist eine neue Art des Sprungs, die motiviert. Überall bilden sich heute Grüppchen, die sich den Hintern versohlen lassen wollen."

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