Nach Wahlerfolg
Rösler bleibt FDP-Chef, Brüderle wird Spitzenkandidat
Philipp Rösler bleibt Parteichef, Rainer Brüderle wird Spitzenkandidat im Bundestagswahlkampf. Auf diesen Kompromiss hat sich in die deutsche FDP laut Angaben aus Parteikreisen geeinigt. Damit geht offenbar ein wochenlanger Machtkampf zu Ende. Brüderle, der 67-jährige Fraktionschef der Liberalen, hatte sich zuletzt selbst als Spitzenkandidat ins Spiel gebracht. Rösler konnte seine Position innerhalb der Partei mit dem überraschenden Wahlsieg in Niedersachsen am Sonntag jedoch wieder stärken.
Rücktrittsangebot nach Wiederauferstehung
Die Sitzung des FDP-Parteipräsidiums am Montagvormittag verlief laut Parteikreisen turbulent. Der Parteichef soll dabei sogar seinen Rücktritt angeboten haben - trotz der Wiederauferstehung der von vielen Seiten bereits totgesagten FDP in Niedersachsen tags zuvor. "Ich bin bereit, zur Seite zu treten, wenn Rainer Brüderle Bundesvorsitzender werden will", soll Rösler gesagt haben. Er habe seinem Rivalen auch angeboten, Spitzenkandidat im Bundestagswahlkampf zu werden.
Ein Rückzug Röslers nach der Landtagswahl in Niedersachsen war von vielen Beobachtern erwartet worden. Allerdings waren die meisten Experten davon ausgegangen, dass der 39-Jährige nach einer vielfach prognostizierten Wahlschlappe im einwohnermäßig viertgrößten deutschen Bundesland zurücktreten würde. Gekommen ist es jedoch anders: Die FDP erreichte am Sonntag 9,9 Prozent der Stimmen – ein unerwarteter Erfolg, schließlich hatten die Liberalen im Vorfeld um den Wiedereinzug in den Landtag zittern müssen.
Die Wiederauflage der Landeskoalition mit der CDU scheiterte dennoch hauchdünn. Schuld daran waren die Stimmenverluste des Regierungspartners. Den Sieg in Niedersachsen hat das rot-grüne Bündnis davongetragen – mit nur einem Mandat Vorsprung denkbar knapp (siehe Story in der Infobox).
Brüderle soll FDP in Bundestagswahl führen
Die nächste Schicksalswahl für die FDP wird voraussichtlich im September geschlagen, wenn die Deutschen einen neuen Bundestag wählen. Die schwarz-gelbe Allianz unter Angela Merkel muss um die Wiederwahl bangen. Vor allem der kleine Koalitionspartner FDP schwächelt: Umfragen auf Bundesebene sehen die Liberalen derzeit bei unter fünf Prozent.
Fraktionschef Brüderle soll das Ruder für die FDP nun herumreißen. Die Parteispitze hat am Montag einstimmig beschlossen, den für Mai angesetzten Parteitag vorzuziehen, um die Entscheidung rasch über die Bühne zu bringen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest, im Gespräch ist ein Termin im März.
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