Vergewaltigungsfall
Indien: Chaos und Verwirrung bei erster Anhörung
Insgesamt sechs Männer werden beschuldigt, die 23-jährige Medizinstudentin Mitte Dezember in einem Bus vergewaltigt und so schwer verletzt zu haben, dass sie ihren Verletzungen erlag. Fünf der sechs Männer sind des Mordes angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.
Verwirrung um Anwalt der Männer
Zu Beginn der Verhandlung kam es allerdings zu großer Verwirrung um den vermeintlichen Anwalt der Angeklagten, der laut eigenen Angaben von Verwandten angerufen worden sei, um die fünf Männer zu verteidigen. Allerdings konnte er kein von den Angeklagten unterschriebenes Hilfsersuchen vorweisen, welches in Indien dringend nötig ist. Zuletzt hatte es Aufregung um die Rechtsvertreter in dem Prozess gegeben, weil sich zahlreiche Anwälte weigerten, die Männer zu verteidigen (siehe Infobox).
Danach konnten die fünf Angeklagten den Gerichtssaal nicht betreten, weil dieser derart überfüllt war, dass die Polizei nicht mehr für die Sicherheit der Männer garantieren konnte. Daher forderten die Beamten die Räumung des Verhandlungssaals und eine Sitzung hinter verschlossenen Türen, dem dann auch stattgegeben wurde. Zudem wurden Nachrichtenmeldungen über das Verfahren extrem eingeschränkt. Demnach dürfen Berichte nur veröffentlicht werden, wenn sie zuvor dem Gericht vorgelegt werden.
Nach Beendigung der Anhörung sickerte durch, dass den Beschuldigten ein Ultimatum zur Suche eines vom Gericht anerkannten Anwalts gesetzt wurde. Sollten sie bis zur nächsten Anhörung am Donnerstag niemanden gefunden haben, würden ihnen Pflichtverteidiger gestellt, sagte Richterin Namrita Aggarwal. Danach soll ein Schnellgericht den Fall übernehmen. Den Beschuldigten wurden zudem Kopien der Anklageschrift überreicht, bevor die Polizei sie zurück ins berüchtigte Tihar-Gefängnis brachte.
Medien melden weitere Gewalttaten gegen Frauen
Indische Medien meldeten unterdessen weitere Gewalt gegen Frauen. Demnach wurde in Noida, einem Vorort Neu Delhis, die Leiche einer vermutlich vergewaltigten und ermordeten Frau gefunden. Die "Times of India" berichtete, zwei Verdächtige seien festgenommen worden, ein Dritter sei auf der Flucht. Fünf Polizisten wurden suspendiert, nachdem sich ihre Wache zunächst geweigert habe, eine Anzeige aufzunehmen.
Die Nachrichtenagentur IANS meldete zudem die Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Neu-Delhi durch einen Mann und einen Jugendlichen. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh seien ein Lehrer und ein Wachmann unter dem Vorwurf festgenommen worden, vier Schülerinnen vergewaltigt zu haben. Im ostindischen Bundesstaat West-Bengalen sei ein 40-Jähriger verhaftet worden, der verdächtigt werde, vier Mädchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren missbraucht zu haben.
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