Sa, 22. September 2018

Chaos im Libanon

22.10.2012 07:30

Feuergefechte nach Beisetzung von Geheimdienstchef

Nach der Trauerfeier für den bei einem Anschlag ermordeten libanesischen Geheimdienstchef Wissam al-Hassan ist es am späten Sonntagabend in der Hauptstadt Beirut zu Feuergefechten gekommen. Auch in der nördlichen Hafenstadt Tripoli lieferten sich Unterstützer und Gegner des syrischen Regimes von Präsident Bashar al-Assad heftige Schusswechsel, bei denen eine Frau getötet wurde. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas entspannt, Soldaten patrouillieren in Beirut und Tripoli (siehe Video).

Der multireligiöse Libanon ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern des syrischen Präsidenten Assad. Viele Libanesen sehen die syrische Führung als Drahtzieher des Anschlags auf den Brigadegeneral Hassan, der als Gegner des syrischen Regimes galt. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.

Krawalle bereits bei Trauerfeier für Hassan
Bereits bei der offiziellen Trauerfeier für die Todesopfer des Anschlags vom Freitag versammelten sich am Sonntag Tausende Demonstranten zum "Tag des Zorns" am zentralen Märtyrer-Platz in Beirut. Dabei kam es zu Krawallen, als die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter durch die Straßen getragen wurden. An der Trauerfeier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Najib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Hassans waren aus Frankreich angereist.

Der Geheimdienstchef wurde neben Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri begraben, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Hassan hatte Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert, Beweise dafür gab es bisher jedoch nicht.

Oppositionelle wollten Regierungsgebäude stürmen
Am Sonntagabend wurden dann in Beirut mehrere Menschen verletzt, als Hunderte Oppositionsanhänger versuchten, den Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen. Die Polizei fuhr Panzer auf und setzte Tränengas ein, um das Regierungsgebäude abzusichern und die Angreifer zu stoppen. Dabei gab es mehrere Verletzte.

Premier Mikati hatte Präsident Suleiman am Samstag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Der Regierungschef argumentierte daraufhin: "Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon." Die Opposition fordert jedoch weiterhin einen Rückzug des Kabinetts.

Jordanischer Soldat an syrischer Grenze getötet
Indes wurde in der Nacht auf Montag ein jordanischer Soldat an der syrischen Grenze bei einem Schusswechsel mit Bewaffneten getötet. Nach Angaben aus jordanischen Sicherheitskreisen lieferten sich Grenzsoldaten und eine Gruppe von 16 Bewaffneten, die ins Land eindringen wollten, ein Feuergefecht. Dabei seien vier Angreifer ums Leben gekommen, die anderen zwölf hätten sich wieder nach Syrien zurückgezogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.