Die Unternehmen sind die Unsicherheit im krisengeschüttelten Griechenland satt: Sie beklagen nicht nur ständig drohende Steuererhöhungen, sondern klagen auch über Schwierigkeiten, in Griechenland das notwendige Kapital für Investitionen zu bekommen. Die Banken des Landes befinden sich infolge des Schuldenschnitts des Staates in einer schweren Krise und vergeben kaum noch Kredite.
"Mehr Stabilität, das ist es, was wir brauchen"
Coca-Cola Hellenic füllt die US-Kultbrause und zahlreiche andere Getränke nicht nur für den griechischen Markt ab, sondern versorgt insgesamt 28 Länder - darunter Deutschland, Italien und sogar Nigeria. Das Unternehmen verteidigte seinen Gang in die Schweiz: Der neue Standort bringe Stabilität, sagte Fimrnechef Dimitris Lois. "Mehr Stabilität, das ist es, was wir brauchen." Sein Unternehmen habe nun bessere Chancen, Geld an den Kapitalmärkten aufzunehmen.
Auch weitere Firmen könnten abwandern: "Ich habe in den vergangenen Wochen mehrere Anfragen von griechischen Firmen erhalten, die sich für die Schweiz als neuen Standort interessieren", erklärte der Präsident der Schweizerisch-Griechischen Wirtschaftskammer, Nikolaos Aggelidakis, der Schweizer Zeitung "Sonntag". Und die griechische Politik weiß nicht, wie sie reagieren soll: "Ich kann nicht jedem einzelnen Unternehmen sagen, wie es handeln soll", sagte der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Kostis Hatzidakis. "Und ich kann unternehmerische Entscheidungen auch nicht mit polizeilichen Maßnahmen beeinflussen."
"Es fehlt an Kapital, gerade bei erfolgreichen Firmen"
Der Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer, Athanassios Kelemis, kann die Firmenentscheidungen nachvollziehen. "Unternehmen dieser Gattung brauchen Zugang zu großen Finanzmärkten", meinte er. "Aber immer mehr institutionelle Anleger ziehen sich aus Griechenland zurück. Dadurch fehlt es an Kapital, gerade bei erfolgreichen Firmen." Doch Investitionen bestehender Unternehmen seien notwendig, um wieder Wachstum zu erreichen. Derzeit steuert Griechenland auf das sechste Jahr mit einer schrumpfenden Wirtschaft zu.
Auch Kelemis forderte: "Die Regierung muss die Stabilität sicherstellen, etwa bei den Steuern, aber auch im Arbeitsrecht." Das Problem seien dabei nicht grundsätzlich Steuererhöhungen im Rahmen der Sparpolitik, sondern eine mangelnde Zuverlässigkeit: "Gift für das Unternehmertum ist die Instabilität: heute so, morgen anders", sagte der Vertreter der deutschen Wirtschaft in Athen. Eine Gefahr, dass auch in Griechenland aktive deutsche Unternehmen abwandern, sieht Kelemis aber nicht: "Die deutschen Unternehmen kämpfen hier mit den Gegebenheiten. Aber es gibt keinerlei Anzeichen, dass sie sich aus dem Land zurückziehen wollen."
Appell an Deutschland und die anderen Euro-Staaten
Mehr Unterstützung forderte Kelemis aber von Deutschland und den anderen EU-Staaten: "Die deutsche Regierung müsste mehr Solidarität zeigen, ohne darauf zu verzichten, dass Griechenland seine Hausaufgaben macht." Die andauernden kritischen Stimmen seien "wie Gift für dieses Land, das versucht, seinen Haushalt in Ordnung zu bringen", kritisierte der Wirtschaftsvertreter. Die Euro-Staaten müssten "die Unsicherheit von den Finanzmärkten nehmen und sagen: Politisch stehen wir zu Griechenland und seinem Reformprozess".
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.