Unmut kundgetan
Obama-Wähler gegen Romney: “Wir sind die 47%”
Zusammen mit etwa 12.000 anderen besucht sie eine von Obamas Wahlkampfveranstaltungen. "Ich denke nicht, dass wir mit Leuten an der Spitze weit kommen werden, die die Hälfte der Bevölkerung als Opfer abschreiben und glauben, dass sie kein Interesse daran haben, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen", ruft Obama der begeisterten Menge auf dem Baseballfeld in Woodbridge zu. Jubelrufe unterbrechen immer wieder seine Rede. "Ich sehe unter euch nicht sehr viele Opfer. Ich sehe hart arbeitende Menschen aus Virginia", sagt Obama.
Ein mit versteckter Kamera aufgenommenes Video zeigte den Multimillionär Romney, wie er vor reichen Geldgebern erklärt, sein Wahlkampf sei nicht auf jene 47 Prozent der Wähler ausgerichtet, die Obama unterstützten. Sie seien Sozialschmarotzer, die Gesundheitsvorsorge, Essen und Wohnraum vom Staat einforderten und keine Einkommensteuer zahlten (siehe Infobox). Solche Aussagen haben viele Obama-Sympathisanten in dem wichtigen "Swing State" Virginia endgültig überzeugt.
"Obama ist ein Präsident für alle Menschen"
Romneys Bemerkungen seien dumm, sagt die medizinische Angestellte Roberta Graham. Obama hingegen kümmere sich um alle: "Er ist der Präsident für alle Menschen, nicht nur für einen gewissen Prozentsatz." Der 67-jährige Alex Johnson meint, Romney habe sich bislang nur darauf konzentriert, viel Geld zu verdienen. "Er wird nicht auf Deiner Seite sein, außer, Du bist schon reich."
In Virginia liegt Obama den neuesten Umfragen zufolge drei bis vier Prozentpunkte vor seinem Konkurrenten, und auch USA-weit hat er knapp die Nase vorn. Romney muss die Wähler noch überzeugen, dass er - im Gegensatz zu Obama - die kränkelnde US-Wirtschaft in Schwung bringen kann. Patzer wie das "47-Prozent"-Video machen es für Romneys Team schwierig, sich auf die Wirtschaft zu konzentrieren.
Bei den Obama-Fans in Woodbridge ist jedenfalls kein gutes Wort über Romney zu hören. Obama brauche einfach noch einmal vier Jahre im Weißen Haus, um alles zu schaffen, meinen seine Fans. "Es hat sich vieles zum Besseren verändert", sagt Shirley McReynolds. Vor allem die Gesundheitsreform sei wichtig gewesen, meint die 57-Jährige. "Ich freue mich auf die Dinge, die wir von nun an tun können."
Die wenigen einsamen Romney-Unterstützer, die sich für eine Gegendemo in der Nähe versammelt haben, können dem wenig entgegensetzen. Auch Obama sei abgehoben, meinen sie - und erinnern an unglückliche Aussagen des Präsidenten über Kleinunternehmen und die Wirtschaft.
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