Wegen Inselstreit

Elektronik-Riesen stoppen Produktion in China-Werken

Wirtschaft
17.09.2012 08:05
Der japanisch-chinesische Inselstreit zieht immer weitere Kreise: Die Elektronikkonzerne Canon und Panasonic haben am Montag die Produktion in ihren chinesischen Fabriken wegen der anhaltenden anti-japanischen Proteste vorübergehend eingestellt. Am Wochenende hatten Zehntausende Chinesen im Konflikt um die Inselgruppe Senkaku gegen Japan protestiert, dabei kam es auch zu Übergriffen auf japanische Unternehmen.

Die Produktion in den drei chinesischen Fabriken von Canon stehe am Montag und Dienstag still, berichteten japanische Medien Montag früh Ortszeit, bei Panasonic ist von "einigen Werken" die Rede.

Berichten zufolge wurde im Vorfeld ein Dutzend Fabriken japanischer Konzerne im Osten der Volksrepublik angegriffen, darunter auch Werke von Panasonic. Außerdem seien Autohäuser von Toyota in Flammen aufgegangen. Es gab auch Übergriffe auf japanische Geschäfte und Restaurants. In Peking belagerten Demonstranten am Sonntag erneut die japanische Botschaft, viele forderten eine Kriegserklärung.

Mehr Umsatz in China als am Heimmarkt
Canon ist eines der bedeutendsten japanischen Unternehmen in China, hat die Marktführerschaft bei Digitalkameras und Tintenstrahldruckern inne. Der Elektronik-Riese erwirtschaftet in China mehr Umsatz als auf dem japanischen Heimmarkt, hieß es kürzlich einem Bericht der englischen Ausgabe der chinesischen Staatszeitung "People's Daily".

Darin heißt es auch, dass sich Canon in den vergangenen Jahren sehr bemüht habe, mit Umwelt- und Sozialprojekten das Vertrauen der chinesischen Verbraucher zu gewinnen. Canons China-Chef Hideki Ozawa fragte sich nämlich schon bei seinem Amtsantritt vor sieben Jahren, "wie wir unsere Produkte in einem Markt verkaufen können, der Japan nicht mag".

Japan: USA garantieren für Sicherheit
Unterdessen hat sich Japan die USA als Verbündeten gegen China ins Boot geholt. Wie der japanische Außenminister Koichiro Gemba am Montag mitteilte, stimmten Washington und Tokio überein, dass der geltende bilaterale Sicherheitsvertrag auch die umstrittene Inselgruppe umfasst. 

"Ich habe das Thema heute nicht angeschnitten, aber es gibt eine gegenseitige Übereinkunft zwischen Japan und den USA, dass die Inseln durch den Vertrag gedeckt sind", sagte Gemba nach einem Treffen mit US-Verteidigungsminister Leon Panetta in Tokio (letztes Bild). Damit müssten die USA bei einem chinesischen Angriff auf den unbewohnten Archipel aufseiten Japans eingreifen.

Panetta warnt vor Krieg
Panetta warnte allerdings im Fall weiterer "Provokationen" vor einem Abgleiten des Streits um die Inseln in einen Krieg. "Ich bin besorgt, wenn ich sehe, dass Länder verschiedene Provokationen begehen", sagte der Minister im Rahmen des Treffens. "Die Vereinigten Staaten nehmen in Betracht von Territorialstreitigkeiten keine Position ein", hatte Panetta zuvor auf dem Flug nach Japan erklärt. "Doch wir halten nicht nur China, sondern auch die anderen involvierten Länder dazu an, sich an einem Prozess zu beteiligen, in dem sie diese Probleme friedfertig überwinden können." 

Eigentliches Thema seines Besuches in der japanischen Hauptstadt war die Neuaufstellung des in Japan stationierten US-Militärs und die Erweiterung eines gemeinsamen Raketenabwehrsystems. Nächste Station der Reise ist Peking, wo der US-Verteidigungsminister die militärischen Beziehungen zwischen den USA und China vertiefen will.

China riskiert "kleinen Konflikt"
Die japanische Zeitung "Asahi Shimbun Digital" hatte am Sonntag berichtet, eine "chinesische Amtsperson" habe nahegelegt, das Land sei bereit, einen "kleinen Konflikt" über die Territorialstreitigkeiten zu riskieren und Schiffe der japanischen Küstenwache aus den Gewässern um die Inseln zu vertreiben.

Die unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer wird von beiden Ländern beansprucht. China hat vergangene Woche sechs Boote zum Archipel geschickt, um seinen Anspruch auf die strategisch bedeutenden Inseln zu bekräftigen. Rund um die Inseln werden bedeutende Öl- und Gasvorkommen vermutet.

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