USA machen Druck

Libyen: Verdächtige nach Sturm auf Konsulat verhaftet

Ausland
13.09.2012 16:44
Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in der Metropole Bengasi stehen die libyschen Behörden unter Handlungsdruck. Am Donnerstag sind mehrere Verdächtige festgenommen worden, sagte der stellvertretende Innenminister Wanis al-Sharef der Nachrichtenagentur AFP. Zur Zahl der Festgenommenen oder deren möglicher politischer Orientierung machte der Vizeminister keine Angaben, "um die Ermittlungen nicht zu behindern". Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Vergeltung für den Tod des Botschafters und seiner drei Mitarbeiter angekündigt.

Die libysche Regierung setzte eine Untersuchungskommission ein. Der Kommission unter Vorsitz eines Richters gehörten laut einem Regierungssprecher "Experten" des Justiz- und des Innenministeriums an. Die Ermittlungen seien "sehr kompliziert", weil die Menge vor dem US-Konsulat sehr heterogen gewesen sei: "Da waren Extremisten, gewöhnliche Bürger, Frauen, Kinder und Kriminelle." Zudem sei von einem nah gelegenen Bauernhof aus geschossen worden.

USA verlegten Kriegsschiffe vor Küste
Zuvor war bekannt geworden, dass das US-Verteidigungsministerium zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens verlegt. Der Zerstörer "USS Laboon" habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht, die "USS McFaul" sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Vom Ministerium hieß es weiter, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandanten jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, den der US-Präsident anordne. 

Bei dem Angriff in Bengasi waren in der Nacht zum Mittwoch der US-Botschafter Chris Stevens (Bild 2) und drei weitere Konsulatsmitarbeiter ums Leben gekommen (siehe Infobox). CNN zitierte einen US-Regierungsbeamten mit den Worten, die vier Amerikaner seien an Rauchgasvergiftungen gestorben. 

Die Angreifer hatten Brandbomben und Panzerfäuste eingesetzt. Das Weiße Haus vermutet daher, dass der Angriff geplant war. Wegen der schweren Bewaffnung der Angreifer sei das wahrscheinlicher als eine außer Kontrolle geratene spontane Demonstration, berichteten US-Medien am Mittwoch unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Washingtoner Regierungsquellen.

Steckt Al-Kaida hinter dem Angriff?
Auch über eine Verwicklung des Terrornetzwerkes Al-Kaida in den brutalen Angriff wird mittlerweile spekuliert. Es könne sich um einen gezielten Anschlag der Gruppe am 11. September gehandelt haben - dem elften Jahrestag ihrer Terrorangriffe auf die USA, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers, am Mittwoch in einem Fernsehinterview. "Das war ein sehr gut durchdachtes, koordiniertes Ereignis. Ich glaube, es war geplant, dass es an diesem Datum passiert", meinte der Republikaner. Ähnlich äußerte sich der Islam-Experte Fouad Ajami von der Stanford University im Sender CNN: Es gebe immer noch viele aktive Al-Kaida-Kämpfer in Libyen. 

Ein hoher Mitarbeiter des Pentagons wollte die Spekulationen nicht bestätigen. Er meinte aber, dass es eine "komplexe Attacke" gewesen sei. CNN berichtete weiters, dass rund 50 US-Marines in Libyen eingetroffen seien, um Amerikaner zu beschützen. Zudem wolle Obama Drohnen schicken, um mögliche Islamisten-Camps aufzuspüren. Die US-Bundespolizei FBI habe Ermittlungen gestartet. Obama hatte am Mittwoch angekündigt, die "Mörder zur Verantwortung zu ziehen".

Botschaft in Libyen evakuiert
Unterdessen wurden die beim Angriff getöteten und verletzen Amerikaner nach Deutschland geflogen, wie das Außenministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Zudem sei ein Großteil des US-Botschaftspersonals aus Bengasi evakuiert und auf den US-Stützpunkt im deutschen Ramstein gebracht worden (Bild 3). Die US-Botschaft in Tripolis arbeite nur noch mit wenigen Mitarbeitern in einer Art Notbetrieb.

Der Vorfall löste mitten im US-Wahlkampf auch eine innenpolitische Debatte aus. Obama kritisierte seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney dafür, dem Weißen Haus vorschnell Vorwürfe gemacht zu haben. Romney hatte seinem Kontrahenten mangelnde Führungskraft in der Außenpolitik vorgeworfen. "Romney scheint die Tendenz zu haben, erst zu schießen und später zu zielen", sagte Obama in einem Interview mit dem TV-Sender CBS.

Anti-Islam-Film durch Betrug entstanden
Der Angriff hatte sich in Folge einer Demonstration gegen einen anti-islamischen Film, der im Internet verbreitet wurde, ereignet. Aus Protest gegen den Streifen gingen nicht nur in Libyen, sondern auch in Ägypten, Tunesien, im Jemen und im Iran zahlreiche Menschen - vor allem radikale Islamisten - auf die Straßen, um lautstark und teilweise auch mit blanker Gewalt gegen den Film zu protestieren.

Doch der Film enstand offenbar durch einen Betrug. Schauspieler und Mitarbeiter hatten sich ursprünglich für einen Wüstenkrimi beworben. Sie beklagten am Donnerstag, vom Produzenten des Films getäuscht worden zu sein (siehe Infobox). Die Identität des Filmproduzenten, der sich als Sam Bacile ausgibt, bleibt indes weiterhin ungeklärt. Der Mann gab ein paar Telefoninterviews und ist seither untergetaucht.

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