Ausgänge versperrt

Pakistan: Hunderte Arbeiter sterben bei Brand in Textilfabrik

Ausland
12.09.2012 15:10
Bei einem Brand in einer Textilfabrik in der pakistanischen Stadt Karachi sind in der Nacht auf Mittwoch knapp 300 Menschen getötet worden. Die Zahl der Toten musste bereits mehrmals nach oben korrigiert werden, laut Behörden dauere die Suche nach Opfern noch an. Die Arbeiter seien in dem Gebäude gefangen gewesen, da es zu wenige Notausgänge gegeben hatte, beziehungsweise diese versperrt gewesen waren, berichten Überlebende.

Das Feuer war am Dienstagabend in dem Gebäude ausgebrochen, in dem rund um die Uhr Unterwäsche und Plastikzubehör produziert wird. Zeugenaussagen zufolge breiteten sich die Flammen binnen weniger Minuten in der gesamten Fabrik aus. Der Keller brannte völlig aus, wie Feuerwehrchef Ehtesham Salim berichtete. Dort entdeckten die Rettungskräfte in einem großen Saal die verkohlten Leichen von Dutzenden Arbeitern. Sie erstickten, bevor das Feuer ihren Saal erfasste.

"Bisher haben wir 289 Leichen geborgen, die Suche dauert jedoch noch an", sagte Behördenvertreter Roshan Shaikh. Mehr als 65 Arbeiter wurden nach Angaben von Ärzten mit Knochenbrüchen im Krankenhaus behandelt. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums der Provinz Sindh sprach von "dem verheerendsten Brand in der Geschichte Karachis".

Menschen sprangen in Panik aus Fenstern
In der Fabrik waren rund 450 Menschen beschäftigt. Mehr als 100 Arbeiter hätten sich retten können, teilte die Polizei mit. Wie viele sich zum Zeitpunkt des Brandes tatsächlich in dem Gebäude aufhielten, war auch Stunden später noch unklar. Auch die Überlebenden wussten es nicht. Einer von ihnen, Mohammed Saleem, sprach von 150 Spätschichtarbeitern.

Der 32-Jährige, der sich mit einem Sprung aus dem zweiten Stock retten konnte, stand auch einen Tag später unter Schock: "Es war schrecklich, plötzlich brannte die gesamte Etage, der Rauch und die Hitze wurden unerträglich. Wir rannten zum Fenster, zerbrachen die Gitter und die Scheiben und sprangen hinaus", erzählte er von seinem Krankenhausbett aus.

Notausgänge waren verriegelt
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei könnte ein defekter Generator den Brand ausgelöst haben. Da in Pakistan immer wieder die Energieversorgung zusammenbricht, stehen in vielen Fabriken benzinbetriebene Generatoren, um Stromausfälle zu vermeiden. Dass es aber zu einer derartigen Katastrophe kommen konnte, lag aber vermutlich an den laxen Sicherheitsvorkehrungen und dem schlechten baulichen Zustand der Fabrik. 

Laut Feuerwehrchef Salim seien "wie Ameisen" in den Werksälen eingepfercht gewesen, ohne ausreichende Belüftung und Notausgänge. Außerdem habe der Besitzer alle Ausgänge außer der Haupttür an der Vorderseite verriegelt. Gegen ihn laufen inzwischen Ermittlungen wegen Fahrlässigkeit.

Dutzende Tote bei Brand in Schuhfabrik
Stunden vor der Katastrophe in Karachi war bereits in einer Fabrik der zweitgrößten Stadt Lahore im Osten des Landes ein Feuer ausgebrochen, in der Sandalen und Plastiksohlen produziert wurden. 21 Arbeiter kamen nach Behördenangaben ums Leben, 14 wurden verletzt, bevor die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bringen konnte. Auslöser war nach ersten Erkenntnissen ein defekter Stromgenerator. In einer ersten Reaktion sprach Premierminister Raja Pervez Ashraf allen Überlebenden und Hinterbliebenen sein Beileid aus.

Die Textilindustrie ist ein wichtiger Faktor für Pakistans krisengeschüttelte Wirtschaft, 38 Prozent aller Arbeiter sind hier beschäftigt. Wie in vielen anderen Industrie- und Geschäftszweigen auch, halten sich jedoch nur wenige Betreiber an die Sicherheitsregeln für den Arbeitsplatz,wie der Experte Noman Ahmed von der Technologischen Universität in Karachi erklärt: "Hauptgrund dafür ist, dass sie in der Regel keinerlei Kontrollen befürchten müssten."

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