Die Lage in Haiti war schon immer arg, aber so arg wie heute nie. Das hat historische Wurzeln.
Die Karibikinsel Haiti ist geteilt in die französischsprachige Republik Haiti und die spanischsprachige Dominikanische Republik. Während der Kolonialherrschaft bestand Haiti aus einer kleinen weißen Oberschicht von Plantagenbesitzern und einem Heer von 90 Prozent afrikanischer Sklaven.
Nach der Sklavenbefreiung durch die Französische Revolution begannen Befreiungskriege, die 1804 in der Gründung der ersten Republik ehemaliger Sklaven mündeten. (In den USA wurde die Sklaverei erst 1862-1865 abgeschafft, in Brasilien 1888.)
Putsch folgte auf Putsch
Leider gelang es auf Haiti nie, ein stabiles Staatswesen aufzubauen. Die dünne Schicht von Haitianern mit weißen Vorfahren („Mulattos“) etablierte eine alles andere als demokratische Herrschaft.
1958 kam es mit Präsident François Duvalier, einem Arzt, zur Machtergreifung der breiten Unterschicht. Die Herrschaft von „Papa Doc“ gestaltete sich mittels Voodoo-Kult zu einer karikaturhaften Tyrannei. Sein Sohn „Baby Doc“ setzte das Zerstörungswerk fort.
Seither folgte Putsch auf Putsch. Heute ist Haiti das Armenhaus Amerikas.
Zu dieser Tragödie des ersten „afrikanischen“ Staates auf amerikanischem Boden muss gesagt werden, dass erst Frankreich und dann die USA keine helfende Hand zum Aufbau eines stabilen Staatswesens reichten. Heute ist das Kind in den Brunnen gefallen.
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