Landesweite Razzia

Deutsche Justiz ermittelt gegen Anton Schlecker

Wirtschaft
18.07.2012 12:38
Der Zusammenbruch der Drogeriemarktkette Schlecker in Deutschland hat jetzt die Justiz auf den Plan gerufen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein. Es gehe um Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Stuttgart. Wohnungen und Geschäftsräume in ganz Deutschland werden durchsucht.

"In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt", sagte Staatsanwältin Claudia Krauth. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Mitte Juni Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht. Für die nun erhobenen Vorwürfe im Ermittlungsverfahren, Bankrott und Untreue, drohen im Falle einer Veurteilung Geldstrafen oder fünf Jahre Haft. Auch der Straftatbestand Insvolenzverschleppung sieht im Falle einer Verurteilung Geld- oder Freiheitsstrafen vor. In Österreich gebe es kein Rechtshilfeansuchen, sagte der zuständige Linzer Staatsanwalt.

Tochterunternehmen im Visier
Der ins Visier der Ermittler geratene Milliardär Anton Schlecker führte sein Drogerie-Imperium als eingetragener Kaufmann. Mit dieser Rechtsform gebe es zwar einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge keine Handhabe gegen ihn wegen möglicher Insolvenzverschleppung. Das heiße aber nicht, dass er ungeschoren davonkomme, falls er sich etwas zuschulden kommen ließ. Denn anders als beim Dachunternehmen Anton Schlecker e.K. ergebe sich nach Paragraf 15a der Insolvenzordnung bei den Tochterfirmen "IhrPlatz" und "Schlecker XL", die als GmbH & Co. KG beziehungsweise GmbH firmierten, sehr wohl eine Handhabe, heißt es in dem Bericht weiter.

160 Ermittler im Einsatz
Nun werden jedenfalls 18 Wohnungen und vier Geschäftsräume in ganz Deutschland durchsucht. Die durchsuchten Wohnungen liegen den Angaben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft zufolge vor allem im Südwesten des Landes, zudem wurden private Wohnräume in Berlin, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen durchsucht. 160 Ermittler seien im Einsatz. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte, man sei über die Ermittlungen informiert und unterstütze sie. Unmittelbare Auswirkungen für den weiteren Verlauf des Verfahrens gebe es jedoch vorerst nicht.

Schlecker Deutschland hatte Ende Jänner Insolvenz angemeldet. Ende Juni schlossen deutschlandweit die letzten Filialen, rund 25.000 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Nach der Pleite wurden wiederholt Vorwürfe laut, vor Anmeldung der Insolvenz seien Vermögenswerte beiseitegeschafft worden. Sie seien etwa auf Schleckers Ehefrau oder seine Kinder überschrieben worden. Diese Vorwürfe hatte die Familie stets zurückgewiesen.

Schlecker-Zukunft in Österreich soll im Juli klarwerden
Wie es in Österreich weitergeht soll sich noch im Juli entschieden werden, sagte der Sprecher des deutschen Schlecker-Insolvenzverwalters, Arndt Geiwitz.

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