"Living Wills"

Großbanken legten Pläne zur eigenen Zerschlagung vor

Wirtschaft
04.07.2012 10:08
Die Finanzkrise von 2008 steckt den US-Aufsehern bis heute in den Knochen. Nur Steuermilliarden verhinderten damals eine Katastrophe. Das soll es nie wieder geben. Deshalb mussten neun internationale Großbanken nun Pläne für ihre eigene Zerschlagung vorlegen, bis 2013 sind 125 Banken verpflichtet, ihr "Testament" zu machen.

Um einer neuerlichen Finanzkrise vorzubeugen, haben neun internationale Großbanken auf Anweisung der US-Finanzmarktregulierer ihr "Testament" gemacht. Die Institute skizzierten in Notfallplänen, wie sie im Falle ihres eigenen Versagens möglichst schnell und schonend abgewickelt werden können. Die sogenannten "Living Wills" sind ein zentraler Bestandteil der von Präsident Barack Obama vorangetriebenen Finanzmarktreform, dem "Dodd-Frank Act".

"Living Wills" gegen neues Desaster
Die staatliche US-Einlagensicherung FDIC veröffentlichte am Dienstag die "Living Wills" - allerdings nur in Auszügen. Sensible Informationen aus den verschwiegenen Banken bleiben den Aufsehern von FDIC und der Notenbank Fed vorbehalten.

Mit dem "Letzten Willen" soll von Anfang an Klarheit über den inneren Aufbau und die Geschäftsbeziehungen der Banken herrschen. Auch soll klar sein, welche Personen und Gremien im Fall der Fälle die Entscheidungen treffen und ausführen. 

Die Aufsichtsbehörden wollen damit ein weiteres Desaster à la Lehman Brothers verhindern: Beim Zusammenbruch der US-Investmentbank im September 2008 herrschte Chaos und Verunsicherung. Nur das Eingreifen des Staates verhinderte damals einen Kollaps des gesamten Finanzmarkts. 

Kaum Einblick in die Welt der Finanzriesen
Ihr "Testament" eingereicht haben bereits die US-Finanzinstitute Bank of America, die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley sowie JPMorgan Chase. Außerdem musste sich die Deutsche Bank Gedanken über ihr Ende machen. Das Frankfurter Institut ist mit seinen US-Tochtergesellschaften eine Größe an der Wall Street. Ebenfalls betroffen sind die britische Barclays sowie die Schweizer Häuser Credit Suisse und UBS. 

Hintergrund der neuen Regelung ist die schiere Größe der Finanzriesen. Sie sind derart verschachtelt aufgebaut und untereinander vernetzt, dass Außenstehende kaum mehr durchblicken. 

Bis Ende 2013 müssen 125 Banken ihr "Testament" machen
Insgesamt sind etwa 125 Banken bis Ende 2013 verpflichtet, einen Notfallplan vorzulegen. Besonders große Institute hatten ihre Dokumente bereits bis zum Montag einreichen müssen. 

Die Aufsichtsbehörden haben nun 60 Tage Zeit, die Unterlagen durchzuschauen und zu prüfen, ob sie den Vorgaben entsprechen. Sie können sonst nötigenfalls weitere Informationen anfordern.

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